Donnerstag, 15. Januar 2015

Leseprobe aus ›Die Hunde des Todes‹

Wie es üblich für mich war, kam ich an diesem Tag nicht aus dem Bett. Mit einem leisen Fluchen hatte ich nach dem Wecker getastet und wild darauf herumgedrückt, bis ich die richtige Taste erwischt hatte, und das nervende Ding endlich Ruhe gab.
Die vagen Erinnerungen an den Traum, den ich gehabt hatte, bevor das schrille Piepen der gnadenlosen Weckmaschine mich rausgerissen hatte, schwebten mir noch immer im Kopf herum. Mit geschlossenen Augen versuchte ich, mir das Szenario wieder ins Gedächtnis zu rufen, damit der Traum genau dort fortsetzte.
Nach kurzer Zeit war ich wieder da, wo nichts unmöglich war. In meinen Träumen.
Ich fand mich in der Turnhalle meiner Highschool wieder, wo, wie jedes Jahr, ein Homecoming-Ball stattfand. Um mich herum tanzten meine Mitschüler mit ihrer jeweiligen Ballbegleitung. Als ich an mir herunterblickte, sah ich, dass ich ein elegantes, schwarzes Kleid anhatte, welches mir bis zu den Kniekehlen reichte.
Für gewöhnlich hielt ich nicht sonderlich viel davon, mich schick zu machen. Es war einfach zu unbequem. Aber in diesem Moment fühlte ich mich gut. Ich fühlte mich hübsch, als wenn ich auf einmal dazugehören würde. Ich war begehrt und beliebt.
Mein Blick schweifte durch den Raum. Ich wusste nicht genau, wen ich suchte, aber mein Herz begann zu rasen.
Dann sah ich ihn und ich wusste genau, dass ich genau diesen Mann gesucht hatte. Langsamen Schrittes kam er auf mich zu. Mit einem Lächeln auf den Lippen, welches mein Herz – und wahrscheinlich auch die Herzen vieler anderer Mädchen – fast zum Schmelzen brachte. Es schien, als wenn er in Zeitlupe auf mich zu kam. Als ob ein Scheinwerfer ihn beleuchtete und die Schüler um ihn herum bedeutungslos wurden.
Meine Mitschüler hörten auf zu tanzen und bildeten einen Kreis um uns herum. Er stand vor mir. Max Grant. Der Schulsprecher.
Derjenige, der von allen Mädchen der Schule und sogar von einigen Damen auf dem College angehimmelt wurde.
Derjenige, zu dem alle Jungen aufsahen und ihn als Freund haben wollten, um sich in seinem Glanz zu sonnen.
Er war einfach perfekt. Er hatte dunkelblonde Haare, die mit Gel in Form gebracht waren. Er war stolze einsachtzig Meter groß und hatte eine sportliche Statur. Seine Augen waren blau und schienen die dunkelste Nacht erleuchten zu können.
Meine Knie waren mit jedem Schritt, den er näher gekommen war, weicher geworden.
Er reichte mir seine Hand. Ohne zu zögern, legte ich meine Hand in seine. Er zog mich sanft zu sich und begann langsam, im Rhythmus der Musik, zu tanzen.
Normalerweise fand ich so langsame Musik ja nicht gerade prickelnd, aber jetzt kam sie mir gelegen!
Ich passte mich seinem Tanzen an, lehnte mich leicht gegen seine Brust und genoss den Moment. Ich schloss die Augen und lächelte vor mich hin, wie es ein verliebter Teenager nun einmal tat.
»Jade?«, hörte ich ihn dann sagen und blickte zu ihm auf. Hatte ich mich verhört? Er klang gerade irgendwie wie meine Adoptivmutter.
»Jade! Wach auf, du kommst zu spät zur Schule!«
Wieder die mir allzu bekannte weibliche Stimme, die unpassenderweise aus dem Mund meines langjährigen Schwarms kam.
Als meine Adoptivmutter die Rollläden hochriss, war ich endgültig aus dem Traum herausgefallen. Ich fuhr im Bett hoch und sah entnervt zu der Traumzerstörerin. »Mann, Helen du bist voll fies!«, sagte ich vorwurfsvoll und ließ mich wieder zurück ins Bett sinken.
»Und du bist eine Schlafmütze die noch genau zwanzig Minuten Zeit hat, sich fertigzumachen und zu frühstücken, bevor der Schulbus kommt. Also, aufstehen, zack-zack!«, forderte Helen Campbell mich auf.
Sie hatte sich mit ihrem Mann Peter vor zwölf Jahren entschieden, mich zu adoptieren. Zwei Jahre hatte ich im Heim gelebt, weil ich als schwer vermittelbar eingestuft war, aber das Ehepaar hatte sich bereit erklärt, es mit mir zu versuchen.
Ich kann mich nicht mehr sonderlich an meine richtigen Eltern erinnern. Ich hab’ lediglich ein Bild von den beiden, wo ich auch als Kind mit drauf bin, aber ansonsten ist mir nichts von ihnen geblieben.
»Ja, ich steh gleich auf«, seufzte ich und streckte meine Glieder. Es war morgens echt eine Qual, sich zu animieren, überhaupt aufzustehen.
Heute war mein letzter Schultag auf der Highschool und ich hatte noch keine Verabredung für den Homecoming-Ball. Und ich war mir auch sehr sicher, dass ich keine Einladung mehr bekommen würde. Also entweder ging ich gar nicht hin, oder ich würde einfach meinen besten Freund Connor fragen, ob er mit mir hingehen würde.
Zwei nicht gerade vielversprechende Optionen. Nicht, dass ich Connor nicht nett fand, aber er war manchmal einfach nur oberpeinlich und schien dauerhaft hyperaktiv zu sein.
Im Halbschlaf machte ich mich also für die Schule fertig und trödelte rum, bis ich lediglich noch fünf Minuten Zeit hatte, um etwas zu essen.
Ich schaufelte mir Cornflakes in den Mund und versuchte, die Dinger in ganzen Stücken runterzuschlucken, um mit dem Kauen keine Zeit zu verschwenden.
Peter guckte kurz an seiner Zeitung vorbei, als ich mich verschluckt hatte und eine geschlagene Minute hustete. »Muss ich einen Krankenwagen rufen?«, fragte er mit gerunzelter Stirn und musterte mich kurz.
Peter war ein liebenswürdiger Mann, der einen etwas abgestumpften Humor hatte. Wenn man ihn nicht kannte, wusste man nie, ob er scherzte oder es ernst meinte. Im Gegensatz zu seiner Frau war er die Ruhe selbst.
Helen, die gerade schon eifrig am Geschirrspülen war, traf man eigentlich immer in voller Hektik an. Die beiden waren nicht nur vom Charakter her grundverschieden. Helen war eine kleine, zierliche Frau, während Peter ziemlich groß und etwas korpulent war. Aber, wie sagt man doch so schön? Gegensätze ziehen sich an.
Nachdem ich wieder normal atmen konnte und die Cornflakes endlich den Weg in meinen Magen gefunden hatten, holte ich zu einer Antwort aus. »Nein, ist nicht nötig«, beruhigte ich ihn und grinste flüchtig.
Peter schielte über seine Lesebrille hinweg und sah mich noch immer leicht besorgt an. »Vielleicht solltest du dein Essen nächstes Mal nicht so runterschlingen wie eine Ente. Das würde dir die Erstickungsaktionen morgens ersparen«, gab mein Adoptivvater mir den Hinweis und widmete sich wieder seiner Zeitung.
»Ich hab’ morgens nur zu wenig Zeit um …«
Ich hörte das Hupen des Schulbusses, und, bevor ich aufspringen konnte, um nach draußen zu rennen, sah ich wie der Bus am Küchenfenster vorbeifuhr.
Seufzend lehnte ich mich auf dem Stuhl zurück und sah schuldbewusst zu Helen, die ihre Hände in die Hüften stemmte und mich streng ansah.
»Was trödelst du morgens auch immer so rum?«, fragte sie und schüttelte den Kopf.
Ich senkte meinen Blick. Es war wahrlich nicht der erste Tag, an dem ich den Bus verpasst hatte.
»Kein Stress. Ich fahr’ sie zur Schule«, meinte der Mann, der sich hinter der Zeitung verbarg.
»Ich weiß nicht, wofür wir die Kosten für den Bus bezahlen, wenn du sie doch jeden zweiten Tag zur Schule bringen musst«, kam es von Helen, die noch immer erbost klang.
Peter faltete die Zeitung zusammen, setzte seine Lesebrille ab und stand auf. »Hol schon mal deine Sachen«, forderte er mich auf und ich verließ ohne Widerworte die Küche.
Ich wusste, dass Helen sich von ihrem Mann immer schnell beruhigen ließ, also war die Sache innerhalb von zwei Minuten geklärt, und Peter verabschiedete sich mit einem Kuss von seiner Frau.
»Fahr bloß vorsichtig!«, forderte Helen ihn noch auf.
»Klar, Schatz. Mach’ ich doch immer«, bestätigte er, zog gemächlich seine Jacke an und nahm die Schlüssel in die eine und seine Aktentasche in die andere Hand.
Ich nahm meinen Rucksack und ging schon mal vor die Haustür. Mit wenigen Schritten stand ich bei dem Wagen von Peter.
Es war ein silberner Ford Taunus 1.6 GL. Der Wagen war schon ziemlich alt, aber solange er fuhr, würde sich mein Adoptivvater garantiert keinen anderen anschaffen. Er hing an dem Auto. Immerhin hatte er es schon ein paar Jahre, was man dem PKW auch ansah. Es gab ziemlich viele Schrammen, hier und da ein paar Beulen, und die Sitze im Inneren waren durchgesessen.
Nun kam auch Peter raus und schloss den Wagen auf. Ich hüpfte sofort auf den Beifahrersitz, schließlich waren wir schon spät dran.
Peter ließ sich natürlich wie gewohnt Zeit und stellte erst mal den Radiosender richtig ein, bevor er losfuhr. Gemächlich. Konstant zehn Meilen unter der Höchstgeschwindigkeit. Es war ein Wunder, dass wir nicht von Schnecken überholt wurden.
Ich schaute aus dem Fenster und versuchte, das Geträller des Radios zu überhören. Es war ein Oldiesender und Peter versuchte, die Texte mitzusingen. Folter am frühen Morgen. Erstens: Peter konnte kein Stück singen. Zweitens: Er konnte die Texte nicht richtig und sang nur einzelne Bruchstücke mit, bevor er wieder ins Nuscheln verfiel. Drittens: Er hatte das Fenster runtergekurbelt und die Musik war so laut, dass die Leute auf der Straße zu uns sahen und dann lachend anfingen zu tratschen.
»Halt an!«, meinte ich dann ein wenig lauter.
Erschrocken über meinen plötzlichen Ruf trat Peter mit voller Kraft auf die Bremse. Ich war ebenfalls erschrocken über die schnelle Reaktion meines Adoptivvaters und sah ihn verstört an. Kaum wollte ich meine Aufforderung erklären, da stieg auch schon Connor auf den Rücksitz.
»Wow. Das war doch mal eine starke Vollbremsung Mister C.«
Ich konnte in den Augenwinkeln sehen, wie Peter die Augen verdrehte. Er hatte meinem besten Freund schon so oft gesagt, dass er ihn nicht Mister C. nennen solle, aber dies blieb stets ohne Erfolg.
Als die Autos hinter uns anfingen zu hupen, setzte sich unser Ford wieder in Bewegung.
»Nächstes Mal sag bitte so was wie: Oh guck mal, da ist Connor, können wir ihn mitnehmen?«, meinte Peter dann und atmete tief durch. Der Schock saß ihm wohl noch in den Knochen. Wahrscheinlich hatte er gedacht, dass er irgendetwas angefahren hatte oder so was in der Art.
»Tut mir leid«, sagte ich und sah entschuldigend zu ihm. Er nickte nur.
»Aber Mister C. So eine Vollbremsung ist doch viel stylisher, als einfach rechts ran zu fahren. Sie könnten ja fast Stuntfahrer werden, bei Ihrer schnellen Reaktionszeit«, kam es dann vom Rücksitz.
Zu Connor musste man sagen, dass er eigentlich nie die Klappe halten konnte. Er redete einfach immer drauf los und versuchte, aus allem etwas Spaßiges zu machen. Manchmal war es wirklich witzig. An anderen Tagen ging mir das jedoch tierisch auf den Geist.
Weder ich noch Peter sagten etwas dazu.
Connor blieb kurze Zeit still, bevor er sich dann nach vorne beugte, um an das Radio zu kommen. »Wir können doch bestimmt mal den Sender wechseln oder? Das Gedudel ist ja nicht auszuhalten«, ohne auf eine Antwort zu warten, drückte mein bester Freund auch schon auf den Knöpfen rum.
Peter schlug dem jungen Mann, der auf dem Rücksitz saß, auf die Hand.
Connor zog daraufhin seine Hand zurück und sah beleidigt drein. »Aua«, brummte er leise und rieb sich die Hand.
Peter stellte seinen Sender wieder richtig ein. »Dieses Gedudel, wie du es nennst, ist gute Musik, du Kulturbanause! Mein Auto – meine Regeln!«, stellte er klar.
Die Szene entlockte mir doch ein kleines Schmunzeln und ich sah wieder aus dem Fenster. Die beiden verhielten sich manchmal echt wie kleine Kinder.
Und so begann die Diskussion zwischen den beiden, was denn nun gute Musik sei und was nicht, bis wir an der Schule angekommen waren.
»Viel Spaß euch beiden«, sagte Peter dann noch, als Connor und ich aus dem Wagen stiegen.
Ich ließ nur ein kleines Schnaufen verlauten, was nicht allzu begeistert klang.
»Letzter Tag«, kam es dann noch mal aus dem Wagen, bevor Peter davonrauschte, um zur Arbeit zu fahren.
Er war Versicherungsvertreter. Ich konnte mir nicht vorstellen, mein Leben lang in so einem Job zu arbeiten, aber für Peter schien das die Erfüllung seines Lebens zu sein. Selbst im Privatleben rechnete er Helen und mir vor, wie hoch unser Risiko war, bei einem Hausbrand oder sonstigen Sachen zu sterben. Und das war wirklich nichts, was man beim Abendessen hören wollte.

Die Realität sah leider anders aus als meine Träume.
Ich war weder begehrt, noch beliebt.
Max hat sich noch nie wirklich mit mir unterhalten, obwohl wir schon seit einigen Jahren dieselben Kurse besuchten.
Hier wurde man eher nach dem finanziellen Status und nach dem Aussehen beurteilt, anstatt nach Charakter und Intellekt. Die Gruppierungen, in denen man sich befand, entschieden, ob man in der Schule zu dir aufsah, oder mit den Füßen auf dir herumtrat.
Die Cheerleader waren reich und schön. Sie wurden von allen Jungen vergöttert, während die Leute aus dem Schachklub als totale Streber abgeschrieben wurden, mit denen keiner etwas zu tun haben wollte.
Connor und ich gehörten eher zu den Leuten, auf denen man herumtrat, oder sie einfach gar nicht zur Kenntnis nahm.
Man konnte sich also denken, dass ich meiner Schulzeit nicht hinterher weinen würde.
Wir kamen passend zum Klingeln.
»Wir sehen uns beim Mittagessen«, sagte Connor und verschwand auch schon zwischen der Schülerschar, die sich in das Schulgebäude drängte.
Ich blieb erst mal an Ort und Stelle stehen, bis das Gedränge an der Tür nachließ, und betrat die Highschool dann ebenfalls.
Connor hatte in den ersten Stunden Sport, während ich mich mit Mathematik rumquälen musste. Für gewöhnlich hatte ich nichts gegen dieses Fach, doch heute war die Präsentation der Gruppenarbeiten. Ich befand mich, dank einer Auslosung, mit dem Cheerleader-Kapitän Claire Huston und ein paar ihrer Freundinnen in einer Gruppe.
Claire hasste mich schon seit dem ersten Tag, den wir beide an dieser Schule waren. Ich war in der Cafeteria gestolpert, der Teller mit der Pizza landete direkt auf ihrem Schoss und versaute sowohl ihre Hose als auch ihr Oberteil. Ich hab’ mich mehrfach bei ihr dafür entschuldigt, aber da sie ziemlich eitel ist, war es für diese Blamage wohl mit Entschuldigungen nicht getan. Seither nutzt sie jedenfalls jede Chance, um mir eins auszuwischen oder mich irgendwie dumm dastehen zu lassen.
Aber mal abgesehen davon hatte ich noch einen Grund, sie zu hassen. Sie war mit Max Grant zusammen und da war es mir wohl auch vergönnt, sie nicht leiden zu können.
Die Gruppenarbeit wurde also mehr zur Einzelarbeit meinerseits. Claire rührte aus Protest keinen Finger, also mal abgesehen davon, dass sie sich die Nägel lackierte. Ihre Freundinnen konnte man in jeder Hinsicht als Dumpfbacken bezeichnen. Selbst wenn Claire ihnen nicht verboten hätte, mir zu helfen, hätten die es wahrscheinlich eh nicht gekonnt.
Aber die Cheerleader-Chefin konnte Konkurrenz generell nicht vertragen, aus dem Grund waren diese Freundinnen perfekt für sie. Sie taten, was man ihnen sagte, ohne groß nachzudenken, und Claire selbst stand immer schön im Mittelpunkt.
Ich betrat nach einer kleinen Wanderung durch die Schulflure endlich den Klassenraum von Mr Fletcher, unserem Mathelehrer. Kurz nachdem ich Platz genommen hatte, startete er auch schon mit dem Unterricht, und die Gruppen präsentierten ihre Erzeugnisse, falls man diese so nennen konnte.
Die meisten hatten einfach nur ein paar Zeichnungen aus dem Mathebuch abgemalt und versuchten nun mit Mühe, zu erklären, was genau sie da jetzt mit zeigen wollten. Einer schien einen Graphen für Malen nach Zahlen zu halten. Als Mr Fletcher fragte, wie er denn an sein Ergebnis gekommen war, zuckte er ratlos mit den Schultern und verwies auf die Lösungen im Mathebuch.
Als unsere Gruppe dran war, warf Claire mir einen giftigen Blick zu. Sie schien ja mal wieder fabelhafte Laune zu haben. Während die anderen drei aus meiner Gruppe sich hinter mir aufstellten, fing ich nun an, meine Arbeit vorzustellen. Es hörte keiner richtig zu.
Während ich vor mich hin erklärte, sah ich von einem Schüler zum anderen. Mein Blick blieb an Max hängen, der ebenfalls etwas mies gelaunt zu sein schien. Als ich darüber nachdachte, was ihn wohl bedrückte, geriet ich ins Stottern.
Claire schlug mir ihre Handfläche unsanft gegen den Hinterkopf.
Ich verzog das Gesicht etwas und warf ihr einen tödlichen Blick zu.
»Miss Huston. Keine Gewalt in meinem Unterricht, wenn ich bitten darf«, forderte Mr Fletcher auf und sah etwas grimmig in ihre Richtung.
»Was denn? Ich dachte die CD hat einen Sprung, da wollte ich nur weiterhelfen«, meinte sie.
Mr Fletcher seufzte und bewegte sich von der hinteren Reihe, aus der er die Präsentationen beobachtet hatte, wieder nach vorne.
»Setzt euch. Es ist euer letzter Schultag, und wie man sieht, stoßen alle Vorträge hier auf noch taubere Ohren als sonst.«
Es war wirklich um einiges lauter als sonst und zugehört hatte scheinbar auch niemand. Kein Wunder also, dass unser Lehrer keine Lust mehr hatte, noch ein Thema aufzugreifen.
Ich setzte mich also wieder auf meinen Platz und wartete, bis es endlich Mittag wurde. Den Rest der Mathestunde, sowie die Doppelstunde Chemie verbrachten wir mehr mit Herumsitzen als damit, wirklich etwas Sinnvolles zu machen.
Bevor ich zur Cafeteria ging, wartete ich auf dem Flur auf Connor. Es war unser üblicher Treffpunkt. Ich hasste die Tage, an denen ich kaum Kurse mit meinem Sandkastenfreund hatte. Wirklich viele nette Bekanntschaften hatte ich hier nicht und da war es echt schwer, ohne Gesprächspartner einen Schultag auszuhalten.
Connor ließ nicht lange auf sich warten und war mal wieder bestens gelaunt. Mir wurde die Laune jedoch von Claire ziemlich vermiest. Sogleich erzählte ich erst mal meinem besten Freund davon.
»Echt jetzt? Das ist ja mies! So ein Miststück!«, meinte er daraufhin.
»Das klang ja fast glaubwürdig«, sagte ich. Ich wusste, dass Connor auf Claire stand, und war dankbar, dass er trotzdem versuchte, mich zu trösten, indem er mir recht gab.
Ich konnte es ihm nicht verübeln. Claire war wirklich hübsch. Blonde, lockige Haare, ein makelloses Gesicht und eine weibliche Figur. Die meisten Jungen begannen fast zu sabbern, wenn sie in der Nähe war.
Ich hingegen war etwas unscheinbarer. Schulterlange, dunkelbraune Haare und braune Augen. Keine einssechzig Meter groß. Kein Wunder, dass man mich leicht übersah.
Als wir gerade in die Cafeteria einbiegen wollten, rannte jemand ungebremst in mich hinein. Meine Bücher flogen über den halben Flur und ich landete auf meinem Hintern.
 »Ist alles okay?«, hörte ich Connor fragen. Ich nickte etwas, und nachdem ich mein Wohlbefinden bestätigt hatte, fing er heftig an zu lachen. Die Aktion musste wirklich lächerlich ausgesehen haben, und da meine Bücher krachend zu Boden gefallen waren, hatte ich auch sämtliche Aufmerksamkeit der anderen Schüler.
Meine Wangen erröteten leicht, als ich begann meine Bücher wieder einzusammeln. Bei dem letzten Buch, das ich aufsammeln wollte, kam mir jedoch eine andere Hand entgegen und hob für mich das Buch auf. Ich erhob mich langsam und sah zu demjenigen hoch, der mein Buch in der Hand hielt. Es war Max Grant.
»Tut mit leid, dass ich dich umgerannt habe«, entschuldigte er sich und sah mich mit seinen eisblauen Augen an.
»Ich … ähm … ist schon okay«, stotterte ich so vor mich hin und starrte den Schülersprecher einfach nur an.
Ich konnte sehen, wie Max kurz einen Blick über seine Schulter warf. Claire stand nicht weit entfernt von uns und beobachtete die Szene.
»Willst du mit mir zum Abschlussball gehen?«, fragte Max mich dann. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Claires Mund etwa zeitgleich mit meinem runterklappte.

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