Samstag, 8. August 2015

Leseprobe aus Whisky liebt Bärwurz




Die Pension entpuppt sich als alter Bauernhof, der aber gut in Schuss gehalten wurde. Vor dem Haus ist ein großer Bauerngarten mit einem verwitterten Holzzaun. Bunte Dahlien und große Sonnenblumenköpfe schauen neugierig über den Zaun. An der Schuppenwand ist ein großer Stapel Holz schnurgerade aufgeschichtet. Auf der Hausbank genießt eine grau getigerte Katze die warme Septembersonne. Als der Wagen vorfährt, öffnet sie kurz die Augen, streckt sich und rollt sich wieder zusammen, um weiterzuschlafen. Auf einer Wäscheleine bewegen sich bunte Bettwäsche und Handtücher leise im Wind.
Ein idyllisches Fleckchen, das muss David zugeben. So gar nicht der Lebensstil, den er in London oder Edinburgh pflegt. Keine laute Hektik, kein Menschengewusel, keine schlechte Luft, nur Ruhe, viel Ruhe.
Die beiden steigen aus dem Wagen und David holt seinen großen Koffer aus dem Kofferraum. Als sie die Haustür öffnen, ist David überrascht. Neue, moderne Fliesen und ein frisch weiß getünchter Hausgang begrüßen die beiden. Alte Bauernmöbel mit liebevoll in Szene gesetzten Accessoires lassen den Hausgang heimelig und gemütlich erscheinen. In der Ecke ist eine Art Rezeption eingerichtet. Auf einem Schlüsselboard hängen zwei Schlüssel. Ein etwas veralteter Computer und ein Telefon stehen da. Sogar eine kleine Glocke ist vorhanden, damit man sich bemerkbar machen kann.
Die beiden schauen sich um, aber es ist niemand zu sehen.
Da David im Moment sowieso nicht besonders gut gelaunt ist, was er seinem Bruder zu verdanken hat, schlägt er etwas ungehalten auf die Glocke und wartet. Nach kurzer Zeit schlägt er noch einmal genervt auf die Glocke.
Irgendwo knallt eine Tür und dann erscheint eine Frau Anfang dreißig. Sie trägt Gummistiefel und eine blaue Latzhose. Das blonde Haar hält sie mit einem rot getupften Kopftuch, das sie nach hinten gebunden hat, in Schach. Aus der Latzhose lugt ein verwaschenes T-Shirt, das wohl irgendwann einmal rot war. Die Frau trägt eine moderne Nerd-Brille mit großen Gläsern. Sie wischt sich die schmutzigen Hände an der Latzhose ab und sieht David angriffslustig an.
»Herrschafts Zeiten, werst woi denast a bissl woatn kinna, oda! (Um Himmels willen, Sie werden doch wohl einen Moment warten können!)«, schreit sie ihn an.
»S fliang hams ma no net beibrocht! Aiso wos wuist? (Das Fliegen hat mir noch keiner beigebracht! Also bitte, was möchten Sie?)«
David sieht seinen Bruder verdutzt an. »Was hat die Frau gesagt?«
John lächelt und schubst seinen Bruder beiseite.
Sofort hellt sich das Gesicht der wütenden Frau auf. Sie lächelt John an.
»Hallo Hanna! Darf ich dir meinen Bruder David vorstellen?« Er zeigt auf David und flüstert ihr zu. »Er hat studiert, der kann dich nicht verstehen, du musst bitte Hochdeutsch mit ihm reden!«
Sie lächelt ihn bedeutungsschwanger an und versucht es noch einmal, diesmal etwas freundlicher und ganz langsam.
»Grüß Gott! Ich bin die Hanna! Ihr Zimmer ist bereits vorbereitet, ich hoffe, Sie hatten eine gute Anreise!«
Mit einer leicht verzweifelten Handbewegung wischt sich David über seine Augen, dann streicht er seine widerspenstigen Haarlocken aus der Stirn. Er nimmt sich zusammen und antwortet so freundlich, wie es ihm im Moment nur möglich ist.
»Danke sehr, die Anreise war bis auf das letzte Stück ganz angenehm aber sehr anstrengend. Entschuldigen Sie bitte meine Ungehaltenheit.« Auch er versucht, langsam zu sprechen. »Ich bin etwas erschöpft und müde und würde mich gerne etwas ausruhen.«
»Selbstverständlich«, flötet Hanna unnatürlich freundlich. »Bitte, das ist Ihr Schlüssel. Sie haben das Zimmer gleich neben dem von Ihrem Bruder. Ich hoffe, Sie haben einen guten Aufenthalt bei uns. Frühstück gibts ab sechs Uhr!«
»So früh?«
»I hob gsogt, ab sechse, des hoist ja net, dast um sechse essn muast. I bin hoit wach weil d Viecha ebs zum Fressn brauchand. (Ich habe gesagt ab sechs Uhr, das heißt ja nicht, dass Sie um sechs Uhr frühstücken müssen. Ich bin so früh wach, weil ich meine Tiere füttern muss!)«
»Es ist alles in Ordnung!«, mischt sich John ein. Er nimmt den Schlüssel und zieht David hinter sich her nach oben.
Das Zimmer ist sauber, im gleichen bayerischen Stil eingerichtet wie der Eingangsbereich, es hat, für David überraschenderweise, sogar ein eigenes Bad. Die Räumlichkeiten scheinen alle frisch renoviert zu sein. Kein überschwänglicher Luxus, aber das ist auch gar nicht notwendig, denkt David zufrieden. Sauber und zweckmäßig.
Er sieht aus der Tür, die auf den Balkon hinausführt. Unten läuft Hanna mit einer Schubkarre vorbei.
David schüttelt den Kopf und geht zurück ins Zimmer zu seinem Bruder.
»Was ist das bloß für eine Kratzbürste. Da muss es dir ja leicht fallen, enthaltsam zu leben!«
»Apropos enthaltsam! Hast du ihn dabei?« Johns Augen beginnen zu glänzen. Er schaut seinen Bruder mit einem flehenden Blick an.
David muss lächeln. Er hebt seinen großen Koffer aufs Bett und öffnet den Reißverschluss. Dann holt er eine Flasche von Johns eigenem Whisky hervor und reicht sie seinem Bruder.
»Du hast daran gedacht, ich danke dir von Herzen. Oder noch besser, ich werde heute Abend für dich beten. Dass du endlich wieder eine Frau findest, die zu dir passt. Na, was sagst du!«
»Ich will und brauche keine Frau!«, zischt David seinen Bruder an. »Verdammt, wann akzeptierst du das endlich! Schluss jetzt mit dem Geplänkel, ich will wissen, was du weißt. Was hast du in dem Buch gefunden?«
»Sorry, aber erst einen Schluck Whisky. Ich hole schnell zwei Gläser!«


Leseproben und Download:

Amazon Kindle Edition

XinXii, verschiedene Formate

In Kürze wird dieses Buch auch im iBookstore erhältlich sein.

Kommentare:

Hilde Baumgartner hat gesagt…

Der Aspekt mit "keine schlechte Luft" ist super. Die hat man ja sonst so oft, leider auch bei uns. Unser Humidity Sensor zeigt halt immer nur schlechte Werte an... LG

SMR hat gesagt…

Jetzt auch als Taschenbuch:
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