Donnerstag, 7. März 2013
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Freitag, 1. März 2013
Freitag, 22. Februar 2013
Samstag, 2. Februar 2013
Leseprobe aus dem Roman "Insolvenz"
20
Er suchte einen Parkplatz und sah Hannas Auto
vor dem Grundstück der Mohrmanns. Die Garage auf dem Grundstück stand offen.
Sie war leer, also war Karl Mohrmann nicht zu Hause. Paul parkte seinen Wagen
und überlegte, ob er trotzdem in das Haus gehen sollte. Dann würde er Hanna
begegnen, aber er war auf ein Gespräch mit ihr nicht vorbereitet.
Er bereute zwar, dass er sie verletzt hatte, war
aber davon überzeugt, dass Karl Mohrmann nur ausführte, was seine Tochter
wünschte.
Sie musste ihrem Vater die Vollmacht entziehen,
sie musste die Kündigung zurücknehmen, sonst gäbe es keine neue Grundlage für
ein gemeinsames Leben. Das musste sie verstehen.
Nein, so durfte er nicht mit ihr reden. Sonst
könnte sie behaupten, er habe sie zur Scheidung gedrängt. Die aktuellen
Probleme wären Kleinigkeiten im Vergleich mit den Geldsorgen, mit denen er nach
einer Scheidung konfrontiert wäre.
Also keine Vorwürfe. Obwohl sie mit ihrem Vater
die Krise verursacht hatte.
Er verwarf den Gedanken an eine Unterredung mit
Hanna, war entschlossen, nur mit Karl Mohrmann zu sprechen.
Er rief Sabine Krüger an, sein Termin werde ihn
länger beanspruchen als geplant. Falls jemand nach ihm frage, solle sie ihn
anrufen.
Sie antwortete, dass seine Mutter gefragt habe,
ob er schon wisse, wann er sie heute besuchen werde.
Er wusste es nicht, er war durch den Gedanken an
den Streit mit Mohrmann, dem er nicht aus dem Wege gehen konnte, abgelenkt
gewesen.
Seine Mutter werde er anrufen. Er dachte auch an
das mit dem Makler verabredete Treffen am Nachmittag.
Im Rückspiegel sah er, dass Mohrmanns Auto auf
das Grundstück fuhr.
Paul stieg aus und ging mit schnellen Schritten
in die gleiche Richtung.
Als er die Pforte erreicht hatte, trug Hanna
mehrere Tüten zum Hauseingang. Nach wenigen Schritten war er neben ihr.
»Gib her, ich helfe dir.«
Sie hatte ihn nicht bemerkt, wich erschrocken zurück
und ließ die Tüten fallen.
Er hatte sich gebückt um die Tüten aufzuheben,
als hinter ihm Hertha Mohrmanns Stimme erklang:
»Herr Kämpfer, was tun Sie hier? Sie sind in
diesem Hause nicht erwünscht.«
Paul hielt inne.
Die Anrede ›Herr Kämpfer‹ hatte ihn hart getroffen.
Er erinnerte sich an die hochmütige Art, auf die
Hertha ihn in der ersten Zeit ihrer Bekanntschaft behandelt hatte. Damals hatte
er sich still geärgert und erfolglos darum bemüht, einen guten Eindruck zu
machen.
Heute war er jedoch gekommen, um für seine Sache
zu kämpfen. Er sprang auf und brüllte:
»Ich helfe meiner Frau! Das verbieten Sie mir
nicht!«
Dabei ging er einen Schritt auf die
Schwiegermutter zu. Karl Mohrmann stellte sich vor seine Frau und sagte mit
seiner sonoren Bassstimme:
»Was soll dieses Geschrei? Können wir uns nicht
wie gut erzogene Menschen benehmen?«
»Wie gut erzogene Menschen benehmen. Gehört dazu
auch, dass man andere rücksichtslos kaputtmacht? Sind das die guten Sitten der
studierten Gesellschaft?
Wir sehen uns vor Gericht! Ihnen werde ich noch
kräftig einheizen!«, schrie Paul und versetzte Mohrmann einen Stoß gegen die Schulter.
Mohrmann fiel in ein Rosenbeet, zerkratzte sich die
Hände und zerriss sein Hemd.
Kämpfer sah den Sturz mit Genugtuung, rührte
sich nicht und sah zu, wie Hanna versuchte, ihrem Vater beim Aufstehen zu
helfen.
Frau Mohrmann ging auf Paul zu und rief:
»Verschwinden Sie, oder ich rufe die Polizei!«
Paul grinste höhnisch.
»Ja, ja, Oma. Ich geh ja schon.«
Er hatte die Pforte noch nicht erreicht, da lief
Hanna plötzlich laut um Hilfe rufend und die Arme über den Kopf schwenkend zum
Zaun. Sie beugte sich über den Zaun und hörte nicht auf zu rufen.
Kämpfer blieb verdutzt stehen. Es war niemand
auf der Straße. Er verstand nicht, weshalb Hanna sich so verhielt.
Sie rief:
»Halten Sie den Mann fest!«
und deutete mit ausgestrecktem Arm auf Paul.
Bevor er begriff, was hier geschah, standen zwei
Polizeibeamte neben ihm.
»Was werfen Sie dem Mann vor?«, fragte einer der beiden.
»Körperverletzung«, rief Karl Mohrmann, der sich inzwischen von
den Dornen befreit hatte. »Dieser Mann ist gefährlich. Er hat mich gerade
auf meinem Grundstück in das Rosenbeet gestoßen. Sehen Sie sich an, wie ich
jetzt aussehe. Ich blute und mein Hemd ist zerrissen.
Und meine Tochter hat er so schwer verletzt,
dass sie sich gestern in ärztliche Behandlung begeben musste. Befreien Sie uns
von diesem Menschen.«
Einer der Polizisten fragte Kämpfer, ob er sich
ausweisen könne. Kämpfer gab ihm seinen Personalausweis und seinen
Führerschein. Der Beamte notierte Namen, Anschrift und Geburtsdatum und fragte:
»Was haben Sie zu diesen Vorwürfen zu sagen?«
Paul antwortete nicht. Er sah seine Frau an, die
sich ihrem Vater zugewandt hatte, seine Wunden betrachtete, ihm ihre rechte
Hand auf die Schulter legte und sagte:
»Papa, du musst das desinfizieren. Damit solltest
du nicht lange warten.«
Er wartete darauf, dass Hanna ihn ansah, aber
das tat sie nicht. Sie zeigte nur Sorge für den Vater.
Hertha Mohrmann ging auf die Polizisten zu, fragte
sie, ob sie im Moment gebraucht werde, sonst werde sie ins Haus gehen.
Wenn man eine Auskunft von ihr brauche, werde man
sich melden, lautete die Antwort.
»Herr Kämpfer, wollen Sie sich jetzt nicht zu dem
Vorwurf der Körperverletzung äußern? Sie sind nicht dazu verpflichtet.«
»Diese Leute wollen mich vernichten. Ich wehre
mich nur.«
Er nahm eine straffe Haltung an und wollte mit
verschlossenem Gesicht zeigen, dass mit diesem Satz alles Erforderliche gesagt
sei.
»Wollen Sie damit sagen, dass Sie in Notwehr
handelten? Wurden Sie von dem Herrn angegriffen, bevor Sie ihn ins Rosenbeet
stießen?«
»Er greift mich schon seit Tagen an, er ist
gemein und hinterhältig.«
»Das ist Unsinn!
Herr Kämpfer hatte eine Meinungsverschiedenheit
mit meiner Frau, er schrie sie an. Als ich vor meine Frau trat und erreichen
wollte, dass er mit dem Geschrei aufhörte, stieß er mich um.«
Der Polizeibeamte, der Kämpfer befragt hatte,
sagte:
»Es geht hier um den Vorwurf der
Körperverletzung. Das ist ein Offizialdelikt. Das bedeutet, dass die Polizei
ermitteln muss, wenn ihr solch ein Fall bekannt wird, ohne dass von den Verletzten
ein Antrag gestellt wird. Wir können die Sache hier nicht bearbeiten.
Deshalb verfahren wir wie folgt: Herr Kämpfer
kommt mit uns auf die Wache und Sie, die sich durch Herrn Kämpfer geschädigt
fühlen, kommen bitte morgen Nachmittag auf die Wache, damit wir Ihre Aussagen
protokollieren können. Ich muss mir jetzt noch Ihre Namen und Anschriften
notieren.
Wenn Sie morgen keine Zeit haben uns zu
besuchen, rufen Sie bitte an. Wir vereinbaren dann einen neuen Termin.«
Er übergab Visitenkarten und sah Kämpfer an.
»Kommen Sie mit. Wir müssen in der Dienststelle
ein Protokoll aufnehmen.«
»Wohin fahren wir?«, fragte Kämpfer.
»In die Friedensstraße.«
»Gut, den Weg dahin kenne ich. Mein Wagen steht
da vorn. Ich fahre hinter Ihnen her.«
»Nein, Sie fahren nicht hinter uns her. Sie
steigen in unseren Dienstwagen ein.«
»Ich habe heute noch wichtige Termine. Nur mit
meinem Wagen kann ich alles pünktlich erledigen. Bringen Sie mich nach der
Vernehmung hierher zurück?«
»Nein, wir werden Sie nicht hierher bringen.«
»Dann fahre ich jetzt mit meinem Wagen«, sagte Kämpfer und ging an dem Polizeifahrzeug,
bei dem sie inzwischen angekommen waren, vorbei. Er spürte einen harten Griff
an seinem linken Arm und wurde zwei Schritte zurückgezogen.
»Ich nehme sie vorläufig fest wegen Behinderung
der Polizeiarbeit. Wenn Sie sich weigern, in dieses Auto einzusteigen, werden
wir unmittelbaren Zwang anwenden.«
Die Autotür wurde geöffnet.
Paul sträubte sich, wurde in den Fond gedrückt
und verstand, dass er sich fügen musste.
EPUB und PDF bei XinXii: Insolvenz
Samstag, 29. Dezember 2012
Montag, 24. Dezember 2012
Autoreninterview mit Eckhard Lietz
Herr Lietz, wann haben Sie zu schreiben begonnen?
Ich habe immer gern geschrieben. Wenn ich zu meiner Schulzeit als Hausaufgabe einen Aufsatz zu schreiben hatte, war mein Text im Allgemeinen umfangreicher als die Texte meiner Mitschüler. Später habe ich einige Geschichten für meine Kinder geschrieben. Den ersten Versuch zur Veröffentlichung machte ich erst mit dem Roman »Der tägliche Krieg«.
Woher bekommen Sie Ihre Ideen?
Ich erzähle Geschichten, die es auch in der Wirklichkeit geben könnte. Für Dämonen, Vampire und ähnliche Wesen gibt es in meinem Kopf keinen Platz. Diskussionen über aktuelle politische Fragen geben in der Regel den Anstoß zum Schreiben.
Unter welchen äußeren Bedingungen schreiben Sie am besten?
Ich kann nur schreiben, wenn ich nicht durch Musik, Gespräche oder andere akustische Einwirkungen abgelenkt werde. Also schließe ich die Tür und hoffe, dass das Telefon nicht klingeln wird.
Planen Sie vor dem Schreiben oder entwickelt sich die Handlung beim Schreiben?
Vergleicht man das Entstehen eines Romans mit dem Bau eines Hauses, dann ist der Rohbau in meinen Gedanken fertig, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Ich weiß auch in jedem Fall, wie die Geschichte enden wird. Beim Schreiben entwickeln sich die Charaktereigenschaften handelnder Personen. Es kann vorkommen, dass dabei von einer Person ein anderes Bild als ich zunächst dachte, entsteht.
Einige Fragen zu Ihrem Buch »Insolvenz«. War Ihre Erstfassung schon sehr gut oder noch sehr roh?
Selbstverständlich musste ich die Erstfassung überarbeiten; aber sie war schon gut. Ich lasse mir Zeit beim Schreiben. An manchen Tagen schreibe ich nur zwei Sätze an anderen zwei Seiten. Das liegt daran, dass ich mich von vornherein um druckreife Formulierungen bemühe.
Wie kamen Sie auf die Namen der Figuren?
Ich bemühe mich, den Protagonisten Namen zu geben, die auf ihre Rolle im Handlungsablauf hinweisen. Die Namen anderer Figuren sind willkürlich gewählt. Der Name »Geldmacher« für den Gerichtsvollzieher zeigt zwar eine Verbindung zur beruflichen Tätigkeit; aber das war für die Gestaltung der Handlung ohne Bedeutung.
An welchem Text arbeiten Sie jetzt?
Ich schreibe einen Roman über einen Konflikt zwischen einer Regierung und den Einwohnern eines Dorfes. Die Regierung plant zur Förderung der Wirtschaft ein Projekt, das schwerwiegende Eingriffe in die Lebensführung der Dorfbewohner mit sich bringen würde. Diese wehren sich dagegen mit legalen, aber zum Teil überraschenden Mitteln. Den Titel des Romans verrate ich noch nicht.
Wir danken Ihnen herzlich für das Interview!
Leseproben und Download »Insolvenz«:
XinXii – mit 50 Seiten Leseprobe
Weitere Formate folgen!
Ich habe immer gern geschrieben. Wenn ich zu meiner Schulzeit als Hausaufgabe einen Aufsatz zu schreiben hatte, war mein Text im Allgemeinen umfangreicher als die Texte meiner Mitschüler. Später habe ich einige Geschichten für meine Kinder geschrieben. Den ersten Versuch zur Veröffentlichung machte ich erst mit dem Roman »Der tägliche Krieg«.
Woher bekommen Sie Ihre Ideen?
Ich erzähle Geschichten, die es auch in der Wirklichkeit geben könnte. Für Dämonen, Vampire und ähnliche Wesen gibt es in meinem Kopf keinen Platz. Diskussionen über aktuelle politische Fragen geben in der Regel den Anstoß zum Schreiben.
Unter welchen äußeren Bedingungen schreiben Sie am besten?
Ich kann nur schreiben, wenn ich nicht durch Musik, Gespräche oder andere akustische Einwirkungen abgelenkt werde. Also schließe ich die Tür und hoffe, dass das Telefon nicht klingeln wird.
Planen Sie vor dem Schreiben oder entwickelt sich die Handlung beim Schreiben?
Vergleicht man das Entstehen eines Romans mit dem Bau eines Hauses, dann ist der Rohbau in meinen Gedanken fertig, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Ich weiß auch in jedem Fall, wie die Geschichte enden wird. Beim Schreiben entwickeln sich die Charaktereigenschaften handelnder Personen. Es kann vorkommen, dass dabei von einer Person ein anderes Bild als ich zunächst dachte, entsteht.
Einige Fragen zu Ihrem Buch »Insolvenz«. War Ihre Erstfassung schon sehr gut oder noch sehr roh?
Selbstverständlich musste ich die Erstfassung überarbeiten; aber sie war schon gut. Ich lasse mir Zeit beim Schreiben. An manchen Tagen schreibe ich nur zwei Sätze an anderen zwei Seiten. Das liegt daran, dass ich mich von vornherein um druckreife Formulierungen bemühe.
Wie kamen Sie auf die Namen der Figuren?
Ich bemühe mich, den Protagonisten Namen zu geben, die auf ihre Rolle im Handlungsablauf hinweisen. Die Namen anderer Figuren sind willkürlich gewählt. Der Name »Geldmacher« für den Gerichtsvollzieher zeigt zwar eine Verbindung zur beruflichen Tätigkeit; aber das war für die Gestaltung der Handlung ohne Bedeutung.
An welchem Text arbeiten Sie jetzt?
Ich schreibe einen Roman über einen Konflikt zwischen einer Regierung und den Einwohnern eines Dorfes. Die Regierung plant zur Förderung der Wirtschaft ein Projekt, das schwerwiegende Eingriffe in die Lebensführung der Dorfbewohner mit sich bringen würde. Diese wehren sich dagegen mit legalen, aber zum Teil überraschenden Mitteln. Den Titel des Romans verrate ich noch nicht.
Wir danken Ihnen herzlich für das Interview!
Leseproben und Download »Insolvenz«:
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Samstag, 22. Dezember 2012
Spannender Lesestoff zu Weihnachten
Der neue Roman von Eckhard Lietz steht rechtzeitig vor den Feiertagen zu Ihrer Verfügung. Wir wünschen ein frohes Fest!
INSOLVENZ
Roman
Eckhard Lietz
ISBN: 978-3-9502871-8-9
230 Seiten
€ 4,99
Kindle-Edition bei Amazon
PDF bei XinXii – mit 50 Seiten Leseprobe
Weitere Formate folgen!
Der Unternehmer Paul Kämpfer gerät in ein finanzielles Desaster. Seine geschäftlichen Probleme greifen auch ins Privatleben über – mit schwerwiegenden Folgen. Paul ist daran nicht ganz unschuldig, da er mehrere Fehlentscheidungen trifft und sogar vor Gewalt nicht zurückschreckt. Wird er ins Bodenlose fallen oder wird es ihm gelingen, sich freizukämpfen?
![]() |
| Eckhard Lietz |
Der Autor Eckhard Lietz verbrachte seine Schulzeit in Hannover, wo er auch die Ausbildung zum Diplomverwaltungswirt (FH) absolvierte. Danach war er viele Jahre für eine Stadtverwaltung tätig und arbeitete auch als Lehrbeauftragter an der Niedersächsischen Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, später als Dozent an einer kommunalen Verwaltungsschule im Land Brandenburg. Er veröffentlichte die Bücher: ›Ordnungsrecht Niedersachsen‹ (Herausgeber), ›Der tägliche Krieg‹ und ›Hartkopf‹. ›Insolvenz‹ ist der dritte Roman, den Eckhard Lietz geschrieben hat.
INSOLVENZ
Roman
Eckhard Lietz
ISBN: 978-3-9502871-8-9
230 Seiten
€ 4,99
Kindle-Edition bei Amazon
PDF bei XinXii – mit 50 Seiten LeseprobeWeitere Formate folgen!
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Weihnachten,
Weihnachtsgeschenk
Donnerstag, 13. Dezember 2012
Leseprobe ›INSOLVENZ‹
1
An diesem Montagmorgen war die Stimmung im
Betrieb so wie an solchen Tagen üblich. Die Erzählungen von den Erlebnissen am
Wochenende waren zunächst wichtiger als die Arbeit, der eigentliche Anlass für
das Treffen an diesem Ort. Der Ausflug mit den Kindern, der nicht mehr
vermeidbare Besuch bei der Schwiegermutter, die Enttäuschung über den
Liebhaber, der kein Liebhaber mehr war, weil er ohne Entschuldigung ein Treffen
hatte platzen lassen, waren bis zur Frühstückspause die wichtigsten Themen.
Als Paul Kämpfer, Inhaber der ›Textilgroßhandlung Kämpfer & Co. KG‹, nach der Pause in seinen Betrieb kam, sah er
eine eifrig arbeitende Belegschaft. Ware wurde verpackt und in Fahrzeuge
verladen, als E-Mail oder Fax eingehende Bestellungen registriert, Rechnungen
gedruckt, mit Vertretern verschiedener Hersteller Gespräche geführt. Dies
beobachtete Kämpfer bei seinem Rundgang durch den Betrieb, bevor er das Vorzimmer
zu seinem Büro betrat.
Sabine Krüger, die Sekretärin, sortierte die
eingegangene Post. Seinen Gruß erwiderte sie nicht. Sie schwieg auch, als sie
kurz darauf die Postmappe auf Kämpfers Schreibtisch legte, sich sofort
abwandte, die Tür offen ließ und durch das Vorzimmer auf den Flur eilte.
Kämpfer sah ihr nach, schüttelte verständnislos
den Kopf, schloss die Tür und schlug die Postmappe auf.
Der erste Brief war vom Vermieter der
Geschäftsräume gekommen. Er hatte das Grundstück an die ›Zinsgewinn AG‹ verkauft und teilte mit, dass die Miete in
Zukunft an die neue Eigentümerin zu zahlen sei. Unter diesem Schreiben lag ein
als Einschreiben mit Rückschein gekennzeichneter Brief der ›Zinsgewinn AG‹.
Das Unternehmen kündigte den Mietvertrag mit
einer Frist von sechs Monaten. Diese Maßnahme sei leider erforderlich geworden,
weil alle auf dem Grundstück vorhandenen Gebäude kurzfristig beseitigt werden
müssten. Die Errichtung eines Bürogebäudes mit zehn Geschossen sei geplant.
Falls Kämpfer an einem der modernen, neuen Büros interessiert sei, werde man
ihn unter den zahlreichen Unternehmen, die schon jetzt Mietverträge abschließen
wollten, gern bevorzugt berücksichtigen.
Paul Kämpfer blickte verstört auf den Brief, las
ihn noch einmal und dachte: Das dürfen die nicht mit mir machen.
Er musste sich wehren, aber im Moment fand er es
noch wichtiger, dass der Inhalt des Briefes den Mitarbeitern nicht bekannt
wurde.
Er griff zum Telefon und rief im Vorzimmer an.
Als er durch die geschlossene Tür den Klingelton hörte, wurde ihm bewusst, wie
aufgeregt er wegen des Briefes war. Er hatte noch nie das Telefon benutzt, um
die Sekretärin in sein Büro zu rufen.
»Wer hat diesen Brief gesehen?«
»Niemand. Nur Sie und ich kennen diesen Brief.«
»Gut. So muss es auch bleiben. Wissen Sie, was
das hier für uns bedeutet? Was soll ich tun? Zum ersten Mal während der zehn
Jahre seit der Gründung dieses Geschäfts brauche ich den Rat eines Rechtsanwalts.
Kennen Sie einen?«
»Ich könnte meinen Schwager fragen, wie man sich
gegen diese Kündigung wehren kann. Er ist Jurist, arbeitet bei einem
Reiseunternehmen, war aber vor einem halben Jahr noch für einen
Mieterschutzverein tätig.«
»Bitte rufen Sie ihn an. Es gibt doch mehrere
Gesetze für den Schutz von Mietern. Fragen Sie ihn, auf welche Bestimmung wir
uns berufen können.«
Frau Krüger brauchte nur fünf Minuten um die
Auskunft einzuholen. Die Gesetze über Mieterschutz gelten nur für private
Wohnräume, nicht für Gewerberäume.
Damit war für Kämpfer klar, dass ein Streit mit
den neuen Vermietern aussichtslos wäre. Er hielt es aber nicht für zumutbar,
allein die Kosten des Umzuges zu tragen.
Also diktierte er einen Brief an die ›Zinsgewinn AG‹ und verlangte die Erstattung der
Maklerprovision für die Vermittlung neuer Betriebsräume sowie der bei dem Umzug
anfallenden Kosten für die Beförderung der Ware und der Betriebseinrichtung.
Unmittelbar nach dem Diktat dachte er, damit
etwas Wichtiges getan zu haben. Aber nachdem er den Brief unterschrieben hatte,
merkte er, dass er keinen klaren Kopf hatte, der ihn sonst befähigte, logisch
zu denken und gut begründete Entscheidungen zu treffen.
Er las den Brief noch einmal und zweifelte, ob
er damit Erfolg haben werde. Sollte er diesen Brief nicht absenden, sondern die
Sache einem Rechtsanwalt übergeben? Ein junger Anwalt verfügte wohl nicht über
ausreichende Erfahrungen für Verhandlungen mit so großen Unternehmen wie der ›Zinsgewinn AG‹, ein älterer, erfahrener würde den Fall
wahrscheinlich ablehnen, weil er daran nicht genug verdienen könnte.
Kämpfer sah keinen Sinn darin, weiter über die
Wahl zwischen einem jungen und einem älteren Rechtsanwalt nachzudenken. Da er
keinen Rechtsanwalt kannte, riskierte er in jedem Fall, an einen Anwalt zu
geraten, der sich erfolglos um die Mietangelegenheit bemühte, aber auch für
seine erfolglose Arbeit eine Vergütung verlangen dürfte.
Deshalb entschied sich er schließlich dafür, den
Brief abzusenden. Er hatte gerade die Briefmappe geschlossen und wollte sie der
Sekretärin geben, als Karl Möller, einer der Kraftfahrer, das Büro betrat.
»Tag, Herr Kämpfer. Haben Sie eben den Knall
gehört? Das war mein Transporter. Ich weiß nicht, was da kaputt gegangen ist.
Aber fest steht, dass der Wagen in die Werkstatt muss.«
»Besorgen Sie sofort einen Mietwagen.«
»Dafür brauch’ ich aber was Schriftliches. Sonst muss ich den
Mietwagen selbst bezahlen.«
»Frau Krüger wird sich darum kümmern.«
Karl Möller und Sabine Krüger hatten gerade das
Büro verlassen, da rief Heinz Heinze, ein Einzelhändler, an. Heinze überraschte
Kämpfer mit einer Einladung zum Abendessen, die Ehefrau sei selbstverständlich
auch eingeladen. Es gebe etwas Wichtiges zu besprechen, sagte Heinze. Er bat
deshalb um einen Termin im Laufe der Woche.
Man einigte sich auf ein Treffen am Dienstag.
Paul Kämpfer rief Hanna, seine Frau, an, um ihr
von Heinzes Einladung zu erzählen. Über die Kündigung des Mietvertrages und den
Schaden am Transporter sagte er nichts.
Die Sekretärin hatte veranlasst, dass der
Transporter in die Werkstatt geschleppt und der Schaden sofort festgestellt
wurde. Am Nachmittag meldete sich Norbert Kunze, der Inhaber der Werkstatt.
»Herr Kämpfer, es geht um Ihren Transporter. Wir
…«
»Sind Sie schon fertig? Prima. Ich schicke gleich
einen Fahrer zu Ihnen.«
»Nein, wir sind noch nicht fertig. Genauer
gesagt, wir haben noch gar nicht angefangen mit der Reparatur. Ich muss erst etwas
mit Ihnen besprechen.«
»Was gibt es da zu besprechen? Ich brauche den Wagen,
also reparieren Sie ihn!«
»Wir haben die Kosten ermittelt. Die Reparatur
würde zweitausendachthundert Euro kosten. Der fahrbereite Wagen ist aber nur
noch dreitausend Euro wert. Und Sie sollten auch bedenken, dass das Fahrzeug
einen Dieselmotor hat. Dafür haben Sie eine rote Umweltplakette bekommen. Die
Großstädte, die man von hier aus in einem Umkreis von fünfzig Kilometern
erreichen kann, werden solche Autos in einem halben Jahr nicht mehr in ihre
Zentren fahren lassen. Das steht in der heutigen Zeitung. Ich meine, es wäre
günstiger für Sie, wenn Sie den alten Wagen nicht reparieren ließen, sondern
sofort einen neuen kauften.«
»Zu welchem Preis?«
»Einen Kastenwagen mit Ottomotor kann ich Ihnen
ab vierundvierzigtausend Euro anbieten.«
Ȇber dieses Angebot muss ich erst nachdenken.
Reparieren Sie noch nichts. Ich melde mich.«
»Frau Krüger, haben Sie eine Zeitung mitgebracht?«, rief Kämpfer so laut, dass die Sekretärin ihn
trotz geschlossener Tür gut verstehen konnte.
Sie stieß die Tür zu seinem Zimmer auf, legte
die Zeitung auf den Schreibtisch, versuchte vergeblich, eine geknickte Ecke glatt
zu streichen und murmelte:
»Entschuldigung, die Blätter sind nicht richtig
geordnet. Wenn Sie es wünschen, mache ich das sofort.«
Er winkte unwirsch ab.
»Das ist nicht wichtig. Haben Sie einen Artikel
über Umweltplaketten gefunden? Kunze von der Autowerkstatt sagte mir gerade,
dass darüber etwas in der heutigen Zeitung stehe.«
»Für den Wirtschaftsteil hatte ich noch keine
Zeit. Während des Frühstücks konnte ich nur einige Artikel ansehen, die mich
interessieren.«
»Und was ist so interessant für Sie?«
»Montags immer das Horoskop der Woche. Ich habe
sehr gute Aussichten in den nächsten Tagen, beruflich und in der Liebe.
Letzteres kann nur bedeuten, dass ich einem attraktiven Mann, den ich noch
nicht kenne, begegnen werde. Das ist aufregend.
Aber Sie brauchen einen Artikel über die
Umweltplaketten für Autos. Ich will gern danach suchen, wenn ich meine Zeitung
wieder mitnehmen darf.«
»Nein, das dürfen Sie nicht! Ich suche den
Artikel selbst und will nicht gestört werden. Wenn jemand nach mir fragt, sagen
Sie, ich sei nicht im Hause.«
»Okay, aber ich möchte mir noch eine
Telefonnummer notieren.«
Sie nahm ein Blatt aus dem auf Kämpfers
Schreibtisch stehenden Zettelkasten, griff mit der rechten Hand zu Kämpfers
versilbertem Kugelschreiber und blätterte gleichzeitig mit der linken Hand die
Zeitungsseiten um. Auf einer Seite mit Kleinanzeigen fuhr sie mit dem
Zeigefinger der linken Hand eine Spalte hinunter, stoppte die Suche, markierte mit
einem Fingernagel eine Anzeige und schrieb eine Telefonnummer auf den Zettel. Dann
verließ sie mit beschwingten Schritten das Zimmer und schloss die Tür.
Kämpfer suchte die markierte Anzeige und las:
Herkules
sucht Schnuckimaus.
Telefon …
Solch eine Dreistigkeit darf man sich als Chef
nicht gefallen lassen. Er hatte um die Existenz dieses Unternehmens zu kämpfen
und die Sekretärin behindert ihn, indem sie für die Verwirklichung des
Horoskops der Woche nach einer Telefonnummer sucht.
Mit drei langen Schritten eilte er zur Tür, riss
sie auf und hörte die Krüger säuseln:
»Hallo, hier ist die Schnuckimaus.«
Paul Kämpfer hob ihr Telefon vom Schreibtisch
und zog das Kabel heraus.
»Herr Kämpfer, ich … ich hatte ein Gespräch mit
einem sehr wichtigen Kunden!«
»Wir haben keinen Kunden mit dem Namen Herkules. Sollten Sie noch einmal versuchen, mich zu täuschen, dann wären Sie
auf diesem Platz nicht mehr tragbar. Es ginge dann nur noch darum, ob Sie die
Toiletten und den Kaffeeautomaten reinigen dürften.
Und nun holen Sie von meinem Schreibtisch die
Zeitung, suchen den Artikel über die Feinstaubplaketten und notieren die
Städte, in denen das Fahren mit Autos mit roter Plakette verboten werden soll.
Dann rufen Sie die Stadtverwaltungen an und
fragen, ob die Meldung in der Zeitung richtig ist. Ich werde in einer Stunde
zurückkommen.«
Kämpfer verließ das Büro, blickte auf dem Flur
kurz nach rechts und links und zog dann energisch die Tür zu.
Der dabei entstehende Knall verscheuchte die
letzten Spuren des Traumes von Herkules aus Frau Krügers Kopf.
Sie konzentrierte sich auf die Arbeit, denn sie wollte
den Chef nicht noch einmal enttäuschen.
Seine Drohung, ihr die Reinigung der Toiletten
zu übertragen, nahm sie nicht ernst. Aber sie hatte ein schlechtes Gewissen,
weil ihr klar war, dass sie eine Vertrauensstellung im Betrieb hatte und dieses
Vertrauen durch einwandfreie Arbeit rechtfertigen musste.
Sie fand in der Zeitung den Artikel mit der
Ankündigung der Fahrverbote für Autos mit roter Umweltplakette, schob eine
CD-ROM mit Daten aus dem Telefonbuch in den Computer, steckte das Telefon
wieder an und wählte eine Nummer.
Dieser Roman wird noch vor Weihnachten erscheinen!
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