Montag, 15. Dezember 2025
Mittwoch, 18. Dezember 2024
Mittwoch, 13. Dezember 2023
Freitag, 23. Dezember 2022
Montag, 31. Oktober 2022
Neuerscheinung: Das Geheimnis von Greenwood House
Kurz vor Weihnachten
fährt Steven in die schottischen Highlands, da er völlig unerwartet das Haus
seiner Großtante Rose geerbt hat. Bald schon muss er aber feststellen, dass
Greenwood House ein alter und renovierungsbedürftiger Kasten ist, und
beschließt, das Haus zu verkaufen und nach London zurückzukehren. Doch dann
lernt er Amelia, die Besitzerin der Home Bakery in Callander, kennen. Olivia,
Amelias kleine Tochter, bringt jeden Tag Leckerbissen vor den Kamin von
Greenwood House. Sie hat der alten Rose versprochen, dies verlässlich zu tun.
Sind die Gaben für einen guten Hausgeist gedacht? Olivia schweigt sich darüber
aus. Der nüchterne Bankangestellte Steven glaubt nicht an Gespenster. Doch wer
verzehrt die täglichen Gaben? Er muss der Sache auf den Grund gehen …
Das Geheimnis von Greenwood House
Ein Schottlandroman von Gisela Greil
ISBN: 978-3-9504729-4-3
© gallas – stock.adobe.com
© Anya D – stock.adobe.com
Covergestaltung: Josef Greil
Viel Vergnügen beim Lesen!
Donnerstag, 17. Dezember 2020
Samstag, 21. Dezember 2019
Frohe Weihnachten!
Liebe Leserinnen und Leser!
Wir wünschen ein frohes Weihnachtsfest
und viel Glück und schöne Bücher im neuen Jahr!
Samstag, 22. Dezember 2018
Frohe Feiertage!
Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen frohe und erholsame Feiertage!
Montag, 18. Dezember 2017
Frohe Weihnachten!
Herzlichst
Ihr
Sirius Verlag
Vorschau:
Die erste Neuerscheinung 2018 wird ein weiterer Schottlandroman von Gisela Greil sein.
Sonntag, 18. Dezember 2016
Frohe Feiertage!
Liebe Leserinnen und Leser!
Montag, 21. Dezember 2015
Frohe Feiertage!
Liebe Leserinnen und Leser!
Donnerstag, 18. Dezember 2014
Frohe Weihnachten allen Autorinnen, Autoren und Lesern!
Leseprobe aus Wenn nur einer liebt von Gisela Greil
Jetzt beginnt bald die Adventszeit. Emelie hat gar keine Lust, Plätzen zu backen.
Für wen den auch, denkt sie.
Um wenigstens ein bisschen in Weihnachtsstimmung zu kommen, geht sie am Samstag Geschenke für die Kinder kaufen. Auch für John möchte sie etwas besorgen, nur, was kauft man einem Mann, der alles hat?
Emelie entscheidet sich für ein Hologramm-Bild, das in Glas geschliffen wird. Als Vorlage nimmt sie das Foto mit, auf dem sie und John vor der großen Eisenbahnbrücke stehen. Wenn das Glasbild fertig ist, will sie es gut verpacken und nach Schottland schicken.
Irgendwie ist es ihr leicht gefallen, sich ein Geschenk für ihn auszudenken. Bei ihren Kindern hat sie es schwerer.
Am Abend ruft John an, wie jeden Tag.
»Hallo Emelie, na, was hast du heute alles angestellt.«
»Ein ganz normaler Arbeitstag und am Nachmittag war ich in der Stadt, shoppen. Ich habe einen Adventkranz gekauft und Kleinigkeiten für die Kinder zu Weihnachten.«
»Apropos Weihnachten, hast du es dir anders überlegt? Möchtest du nicht doch zu mir kommen?«
»Ich habe dir doch gesagt, dass meine Kinder bestimmt sehr enttäuscht wären, tut mir schrecklich leid, aber das geht wirklich nicht.«
»Eine Frage, kannst du eigentlich Ski fahren?«
»Warum?«
»Nur so, ich hab überlegt, ob wir nach den Feiertagen nicht ein paar Tage Urlaub in einem hübschen Wintersportort machen könnten.«
»Vor gefühlten hundert Jahren bin ich recht gut gefahren, aber bestimmt seit dreißig Jahren nicht mehr.«
»Und … möchtest du?«
»Ich weiß nicht, erst muss ich dieses Weihnachtsfest hinter mich bringen, irgendwie hab ich gar keine Lust auf Weihnachten.«
»Kann ich gut verstehen, aber … überleg es dir. Denk einfach mal darüber nach!«
»Mach ich.«
Etwa eine halbe Stunde später ruft Thomas an, er entschuldigt sich bei seiner Mutter, weil er Weihnachten nicht mit ihr feiern kann.
»Anna will dem ganzen Trubel entfliehen, wir haben vor zehn Minuten Flug und Hotel für Mallorca gebucht und möchten die Feiertage dort verbringen.«
»Ist ja okay, mach dir bloß keinen Kopf wegen mir, Thomas, ich habe ja noch Maja und Alina. Macht euch eine schöne Zeit, ihr zwei.«
Am nächsten Tag sagen Alina und Maja ab, weil beide gerne mit Freunden in London feiern möchten.
Jetzt ist sie Weihnachten ganz alleine. Das wird ihr schlagartig bewusst.
Wie aufs Kommando ruft Sir John an.
»Hallo Emelie!«
»Hallo John!«
»Was ist los? Ich hör doch, dass irgendetwas nicht stimmt?«
»Eigentlich nichts, meine drei Kinder haben Weihnachten ohne mich verplant, und jetzt bin ich etwas enttäuscht deswegen!«
Endlich, denkt John.
»Emelie, du weißt ja, mein Angebot steht nach wie vor.«
»Ja, ich überlege es mir, versprochen.«
»Nicht lange überlegen, bitte, sag zu, komm zu mir, bitte!«
Kurze Stille.
»Na gut, überredet, ich komme Weihnachten zu dir. Besser?«
»Viel besser Emelie, viel besser.« Und wieder einmal hat er sein Ziel erreicht.
Kapitel FÜNFZEHN - Der 24. Dezember steht unter einem guten Stern
Die Tage bis zu den Weihnachtsferien vergehen nun doch rascher als gedacht. John hat ihr ein Ticket geschickt und ihr versprochen, sie vom Flughafen in Edinburgh abzuholen. Seit Emelie zugesagt hat, bei ihm in Schottland die Feiertage zu verbringen, wächst ihre Freude darauf Tag für Tag mehr.
Die Kinder im Kindergarten sind kaum noch zu bremsen, und als der zweiundzwanzigste Dezember endlich da ist, hat sich auch bei Emelie große Vorfreude aufs Fest eingestellt.
»Also meine Lieben, ich wünsch euch allen ein schönes Fest, und lasst euch reich beschenken«, verabschiedet sie sich von ihren Kolleginnen.
Sie fährt in eine Gärtnerei und kauft ein kleines mit Kerzen und Rosen geschmücktes Tannenbäumchen für das Grab von Michael. Als sie auf dem Friedhof ist, zündet sie ein Grablicht an und sucht einen schönen Platz für das Bäumchen.
»Der ist für dich, Michael. Ich hab dir ja erzählt, dass ich Weihnachten nicht da bin. Ich hoffe, du verstehst das, ich wäre ganz allein. Morgen Vormittag geht mein Flug, deshalb wünsch ich dir heute schon frohe Weihnachten, mein Schatz. Ich hab dich lieb, ich denk an Heiligabend ganz fest an dich und schau zum Himmel, und dann treffen wir uns in Gedanken, ja? Gut, also dann bis Heiligabend.«
Sie küsst wieder ihre Finger und fährt damit über seinen Namen auf dem kalten Grabstein.
Beim Friedhofsausgang trifft sie ausgerechnet auf Andreas.
»Hallo Emelie, warst du bei Michael?«
»Ja, und du?«
»Meine Mutter hat mich gebeten am Grab von Opa nach dem Rechten zu sehen. Was machst du jetzt, hast du Zeit? Ich lad dich auf einen Kaffee ein!«
»Viel Zeit hab ich, ehrlich gesagt, nicht, aber die Zeit nehm ich mir einfach. Gut gehen wir Kaffee trinken.«
Die beiden gehen ein paar Meter, gegenüber auf der anderen Straßenseite ist gleich ein Café.
»Was machst du an Weihnachten?«, will Andreas wissen. »Meine Kinder sind bei ihrer Mutter und ihrem Neuen, ich darf sie erst an Silvester haben, da würden sie bei meiner Frau nur stören. Die beiden wollen weggehen und feiern, und da bin ich dann auch plötzlich gut genug.« Missmutig starrt er auf seine Kaffeetasse. »Also?«, er sieht Emelie erwartungsvoll an.
»Thomas wird mit seiner Anna wegfliegen, und Alina und Maja bleiben in London ...«
»Du bist also auch alleine«, fällt er ihr hocherfreut ins Wort. »Machen wir es uns doch zusammen gemütlich!«
»Andreas, nein, lass mich bitte ausreden. Weil ich eben geglaubt habe, dass ich Weihnachten alleine bin, hat mich John Mac Kinny über die Feiertage zu sich eingeladen, und ich habe schon vor einiger Zeit zugesagt. Tut mir leid!«
Enttäuscht sieht er sie an.
»Du hast gesagt, er ist nur ein Freund. Ich hab euch Allerheiligen gesehen und jetzt das. Erzähl mir doch nicht, dass da nicht mehr ist.«
»Ich kann dir nur den momentanen Stand unserer Beziehung schildern, und demnach ist er nur ein guter Freund für mich, glaub mir!«
»Emelie, mal ganz ehrlich. Hatte ich je eine Chance bei dir?«
»Du bist und warst immer ein guter Freund für mich, aber nicht mehr, Andreas, es tut mir leid.«
»Gut, dann brauch ich mir wenigstens keine falschen Hoffnungen mehr machen.« Er trinkt aus und zahlt. »Ich muss jetzt weiter, ich wünsch dir frohe Weihnachten, Emelie.« Er gibt ihr einen Kuss auf die Wange und geht.
Emelie fährt nach Hause und packt, dann geht sie noch rasch zu Vincent und bringt ihm ein kleines Päckchen.
»Erst an Weihnachten öffnen!«, ruft sie ihm noch zu, als sie zum Gartentor hinausläuft.
In Edinburgh wartet Sir John mit Hut und schwarzem Mantel aufgeregt auf Emelie. Als er sie kommen sieht, winkt er ihr mit einem großen Strauß roter Rosen zu.
Endlich ist sie da. Er freut sich wie ein kleiner Junge.
John nimmt sie überglücklich in die Arme und gibt ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn.
»Du weißt gar nicht, wie froh ich bin, weil ich dich endlich wieder in meine Arme schließen kann.« Seine Augen haben einen feuchten Schimmer und seine Stimme klingt voll Wärme.
Er drückt sie an sich und Emelie fühlt sich einfach nur wohl und geborgen in seinen Armen.
In diesem Moment weiß sie, es war die richtige Entscheidung.
Er lädt ihr Gepäck auf einen Wagen und schiebt ihn Richtung Ausgang. Nachdem er das Gepäck in den Kofferraum des Range Rovers eingeladen hat, hält er Emelie galant die Tür auf.
Als er startet, sieht er sie überglücklich an und streichelt über ihre Hand.
»Ich bin so froh, dass du da bist«, wiederholt er. Seine Augen bekommen wieder den feuchten Glanz.
»Ich freu mich doch auch, ich bin schon ganz neugierig, wie ihr hier Weihnachten feiert. Ich hatte gar keine Lust mehr auf das Fest, bis ich wusste, dass ich mit dir feiern darf, und jetzt freu ich mich wie ein kleines Kind, glaub mir!«
»Ich habe jetzt nur noch ein Problem«, gibt er etwas kleinlaut zu.
»Und das wäre?« Sie sieht ihn fragend an.
»Bei uns ist Weihnachten ohne die ganze Familie undenkbar.«
»Das heißt?«
»Na ja, ich hoffe, du hast kein Problem damit, meine Mutter und meine Schwester werden mit uns feiern, du wirst sie also kennenlernen. Ist das okay für dich?« Er sieht sie mit ängstlichen Augen an.
»Selbstverständlich, unter anderen Umständen würde ich ja auch mit meiner Familie feiern.« Sie klingt ein bisschen traurig.
John atmet auf.
»Wunderbar, Weihnachten kann kommen.«
Die Landschaft ist nur leicht überzuckert, aber es ist viel kälter als in Deutschland. Der Raureif glitzert in der Sonne, es ist ein schöner Anblick.
»Und hast du dir das mit dem Winterurlaub überlegt?«
»Ich würde wirklich gerne, aber ich befürchte, dafür reicht mein Urlaub nicht aus, tut mir leid!«
»Wir werden sehen.«
Vor Abbywood Castle steht ein riesiger Weihnachtsbaum mit großen, roten Schleifen, die ebenfalls voll Raureif sind und in der Sonne glitzern.
An der Steintreppe zum Eingang hängen verzierte Girlanden und über dem Eingang hängt ein riesiger Buschen Mistelzweige an einem roten Band.
»Du weißt, was der bedeutet, oder?«
Emelie nickt.
Beide gehen durch die Tür und Sir John nimmt sie in die Arme und gibt ihr einen zärtlichen Kuss auf den Mund. Er sieht sie mit glühenden Augen an und küsst sie noch einmal, leidenschaftlich.
Miss Molly kommt.
John lässt Emelie los.
»Herzlich willkommen, Miss Fischer, ich hoffe, Sie verbringen schöne Weihnachtstage bei uns. Molly lächelt sie über ihre große Hornbrille hinweg an.
»Komm.« John nimmt Emelie an der Hand und zieht sie die Treppe hinauf, dabei kommen sie an der Bibliothek vorbei.
Die Tür steht ein Stück offen, Emelie kann ein großes Bild entdecken.
»Moment mal, bitte.« Sie bleibt stehen und zieht ihn ein Stück zurück. Sie öffnet die Tür weiter. Über dem Kamin hängt ein großes Portrait in Öl. Fragend blickt sie zu John.
Er wird etwas rot und versucht, zu erklären:
»Ich habe ein paar so schöne Bilder von dir, und in dem Zimmer halte ich mich sehr viel auf, da steht mein Schreibtisch, an dem ich die meiste Zeit arbeite und … ich wollte nicht immer nur meine verstorbene Verwandtschaft anstarren, und da hab ich mir gedacht … und dann hab ich dich malen lassen. Das Bild ist sehr gelungen, oder?«
»Man kann es kaum von einer Fotografie unterscheiden. Aber muss es so groß sein, ginge es nicht eine Nummer kleiner?«
»Also ich finde, es hätte ruhig noch größer sein können. Und jetzt komm!« Er zieht sie wieder hinter sich her, sie steigen die große Treppe ins obere Stockwerk hinauf.
Vor ihrer Zimmertür bleibt er stehen und sieht nach oben.
Verdammt, schon wieder ein Mistelzweig. Emelie sieht sich um.
An allen Türen, an denen die Möglichkeit besteht, dass Emelie durchgehen könnte, hängen Mistelzweige.
»Du Schuft, denkst du nicht, dass du diese Tradition etwas überstrapazierst?«
Er lächelt sie vielsagend an.
»Kann man zu viel küssen?«, raunt er ihr ins Ohr.
Emelie schüttelt den Kopf und geht in ihr Zimmer. Und schon hat er sie wieder im Arm und gibt ihr einen Kuss.
Das Zimmer ist wunderschön weihnachtlich dekoriert, es steht sogar ein großer Weihnachtsbaum darin.
Emelie staunt.
»Da hat sich aber jemand sehr viel Mühe gegeben!«
»Ich möchte doch nur, dass du dich wohlfühlst.«
»Glaub mir, ich fühle mich sehr wohl hier bei dir.«
»Was möchtest du noch unternehmen?«
»Steht der Mini noch in der Garage?«
Er lächelt.
»Selbstverständlich, er wartet auf dich.«
»Dann lass uns noch irgendwo hinfahren, wo es nicht so viele Mistelzweige gibt.« Emelie zwinkert ihm zu. »Ich zieh mir nur rasch einen wärmeren Pulli an, bei euch ist es ja wahnsinnig kalt.«
John setzt sich bequem in einen großen Ohrensessel.
»Hast du nicht verstanden, ich möchte mich umziehen.«
»Und ich möchte dir dabei zusehen.« Seine Stimme klingt ganz dunkel und sexy, seine Augen leuchten.
»Na gut, eine extra Vorstellung für den Herren.« Sie kramt einen warmen Wollpulli und eine dicke Jeans aus dem Koffer, ruft »oder auch nicht!« und verschwindet damit im Badezimmer.
Als sie wieder herauskommt, sitzt er immer noch lächelnd und kopfschüttelnd in dem großen Sessel.
»Du hast gewonnen, lass uns fahren.«
Die beiden gehen zum Mini. Er gibt Emelie die Autoschlüssel und setzt sich auf den Beifahrersitz.
»Wohin?«, fragt sie.
»Edinburgh.«
»Gut die Strecke kenn ich, glaub ich jedenfalls, wenn ich mich verfahre, musst du mir helfen. Und was machen wir in Edinburgh?«
»Das Kaufhaus Jenner hat den größten Weihnachtsbaum, den würde ich dir gerne zeigen, außerdem können wir noch über den Weihnachtsmarkt bummeln, und wenn du noch irgendetwas brauchst, die Geschäfte sind noch geöffnet.«
Der Weihnachtsbaum ist wirklich imposant, der Weihnachtsmarkt ist nicht mit jenen in Deutschland zu vergleichen. Es ist mehr ein Kirmes mit Riesenrad und was so dazugehört, Weihnachtsstimmung kommt trotzdem auf.
Emelie ist richtig glücklich, es geht ihr gut.
»Ich denke, bis wir heute Abend zurück sind, wird meine Mutter auch angekommen sein. Mach dir keine Sorgen sie, kann ganz nett sein.« John zwinkert ihr zu und nimmt sie fest bei der Hand. »Sie mag jeden, den ich mag, und dich mag ich ganz besonders.«
Vor Abbywood Castle parkt ein schnittiger Mercedes in Silbergrau.
»Meine Mutter ist schon da.« John zeigt auf den Wagen.
Emelie wird ganz flau im Magen.
»Und wenn sie mich nicht mag?«
»Mach dir keine Sorgen, glaub mir, sie mag dich!«
Als beide die Treppe zum Eingang hochlaufen, hält er bei der Eingangstür kurz an, lächelt und gibt ihr einen Kuss.
Ach ja, der Mistelzweig. Emelie schüttelt den Kopf und muss lachen.
Freitag, 13. Dezember 2013
Samstag, 10. Dezember 2011
"Sprich mein Herz" von Christine Lackner ist erschienen.
Donnerstag, 23. Dezember 2010
Montag, 20. Dezember 2010
Weihnachten in der Leseprobe – Wurzeln der Hoffnung
Leseprobe
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| Wurzeln der Hoffnung |
Das Wasser schoss und wirbelte dahin und die Riemen des voll beladenen Rucksackes schnürten sie auf den Schultern ein. Sie war mehr als froh, als sie das andere Ufer endlich erreicht hatte. Bis zum Bauchnabel durchnässt aber ohne Verluste kletterte sie auf allen Vieren an der Uferböschung hoch. Sie rappelte sich auf und lief über den steinigen Weg zwischen den beiden Flussarmen.
Der zweite Flussarm war nur ein Rinnsal. Er führte nur dann nennenswert viel Wasser, wenn es mehrere Tage lang viel geregnet hatte.
Das Schlimmste des Weges hatte sie überwunden. Nun brauchte sie nur noch den steil ansteigenden aber verhältnismäßig gut begehbaren Weg bis zum Haus hoch zu laufen. Aber sie spürte schon Ermüdungserscheinungen. Der Rücken schmerzte unter dem Gewicht des Rucksacks und die Kleidung klebte kalt und feucht an ihrer Haut.
Erleichtert atmete sie aus, als sie das erste Tor erreicht hatte, dessen Pylone sie selbst aus den Steinen, die überall herumlagen, errichtet hatte. Nachdem sie es passiert hatte, kam schon das zweite Tor in Sicht, auch ein Produkt eines Anfalls von überflüssiger Energie, den sie ab und zu hatte.
Dahinter schaute das Häuschen hervor. Es war immer noch dicht bewachsen mit Efeuranken, die nun in voller Blüte standen. Alicia liebte den süßen, fruchtigen und betörenden Duft, der von ihnen ausging und ebenso den Duft der Blüten der alten Mimosenbäume. Sie schloss die Augen und atmete diese Wohlgerüche zufrieden ein.
Was für ein zauberhafter Ort das hier doch ist. Selbst im Dunkeln und mit geschlossenen Augen finde ich hierher zurück. Welch berauschender, süßer Duft. – Ich werde mich informieren, wie man Parfum herstellt, und ein Parfum aus diesen Wohlgerüchen kreieren. Ich bin sicher, das würde sich gut absetzen.
Alicia wurde in ihren Gedankengängen unterbrochen, als Shakira und ihre sieben Kinder, die inzwischen schon um einiges größer waren als ihre Mutter, freudig bellend angelaufen kamen. Sie begrüßten ihr Frauchen wie immer etwas zu stürmisch.
Alissaya, die rotbraune, sanfte Stute, die Lucrezia ihr zum Reiten und zum Transportieren von Sachen zur Verfügung gestellt hatte, kam ebenfalls auf sie zu. Die rotfellige Pferdedame hatte jedoch seit der Flutkatastrophe Angst vor dem lauten Fluss. Sie weigerte sich, ihn zu überqueren. So musste Alicia ihr Gepäck alleine schleppen.
Alicia streckte ihr die Hand entgegen und schrie die Hunde an: »Zitti, zitti [Kinder, Kinder], nicht anspringen, bitte! Sonst falle ich mit dem schweren Zeug wie eine Schildkröte auf den Rücken und komme nicht mehr hoch. Und wer hilft mir dann – keiner. Nein, so möchte ich nicht enden, und schon gar nicht zu Weihnachten.«
Sie schwankte die letzten Schritte bis zur hohen Steintreppe. Dann kniete sie sich erschöpft nieder und befreite sich von ihrer schweren Last. Die schmalen Riemen des Rucksacks hatten tiefe Einschnitte auf ihren Schultern hinterlassen, die sie sich nun massierte.
Andromeda und Xandulian, Lanni und Savi, die Lieblingskatzen, kamen angesprungen und die Hunde rannten ihnen hinterher.
»Zitti, jagt mir die Katzen nicht!«, rief sie energisch. Denn ihre laute, energische Stimme war das Einzige, worauf diese Hundekinder reagierten. Die Mischlinge aus Jagdhund und Belgischem Schäferhund verhielten sich abwechselnd wie schwer erziehbare Jagdhunde und wachsame Schäferhunde. Aber Alicia liebte die Hunde alle. Deshalb hatte sie es auch noch nicht übers Herz gebracht, einen Einzigen von ihnen abzugeben.
Andromeda und Xandu, die Stammeltern der Katzenzucht, sprangen auf Alicias Schulter. Sie stand nun auf, um die Tür aufzuschließen. Dabei rief sie den Hunden zu: »Ihr bleibt noch draußen! Ich muss erst alles vorbereiten. Dann gibt es Bescherung.«
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Wurzeln der Hoffnung
Ein Roman von Miluna Tuani
Weihnachten in der Leseprobe – Olivers Reisen
Leseprobe
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| Olivers Reisen |
Doch einen Ort gab es, an den Oliver sich hin und wieder gerne zurückzog. Sogar als die Temperaturen zu unwirtlich für längere Aufenthalte im Freien geworden waren.
Er setzte sich dort auf einen liegenden Baumstamm und zog seine Jacke fester um sich. Dann langte er nach einer Zigarette und zündete sie an.
Die Wolke gefrorenen Atems vermischte sich mit dem sich kräuselnden Rauch. Lange hielt er es in diesem Kaff nicht mehr aus – soviel war sicher.
Als er wider Erwarten Gesellschaft bekam, erstarrte er. Auf dem Weg tauchte eine Gestalt auf, die ihm vage bekannt vorkam. War es nicht der Mann, den er in der Nähe von Wolfgangs Haus gesehen hatte?
Oliver nahm einen Zug, hob sein Kinn, inhalierte, und stieß den Qualm dann herausfordernd aus.
Unter halb geschlossenen Lidern fixierte er den Fremden, der mit Entschiedenheit in seine Richtung steuerte. Er besaß ausreichend Erfahrung mit schamlosen Freiern, die dachten, sie könnten sich an jeden Jungen heranmachen, egal welchen Alters. Nur war ihm dieser Typ Mann in der Kleinstadt bislang nicht begegnet. Andererseits sah der Fremde ganz so aus, als befände er sich auf der Durchreise.
Oliver musterte ihn. Nicht dass er große Lust auf eine Auseinandersetzung verspürte, aber in seiner momentanen Stimmung hatte er auch nicht vor, einer solchen aus dem Weg zu gehen.
Der Mann blieb vor ihm stehen.
Sollte er sich ruhig trauen, noch näher zu kommen, dann würde er ihm schon zeigen, wo es lang ging. Doch der andere kam nicht näher.
Er blieb stehen und fischte seinerseits eine Packung Zigaretten aus der Tasche. »Bist du nicht zu jung zum Rauchen?«, gestikulierte er mit einer Zigarette in der Hand.
Oliver schüttelte den Kopf.
Der andere schwieg, und starrte ihn weiterhin an.
»So einer bin ich nicht«, knurrte Oliver schließlich abweisend.
»Was für einer?«, fragte der andere entgeistert.
»Na – so einer.« Oliver ließ seinen Blick auffallend langsam in Richtung von Massimos Unterleib gleiten.
»He! Fiele mir im Traum nicht ein.«
»Dann ist ja gut.«
Oliver wandte seinen Blick ab. Er betrachte das klägliche Rinnsal vor seinen Füßen. Nur wenig kälter und der Bach wäre gefroren. In wenigen Wochen war Oliver gezwungen, mit Wolfgang Weihnachten zu feiern. Er rollte mit den Augen. Im Winter abzuhauen schien zwar reichlich dämlich und sein einziger Versuch, Agnes per Telefon aufzuspüren, hatte zu nichts geführt. Dennoch fürchtete er, dass ihm der Feiertagskram in dieser Stadt noch mehr auf die Nerven gehen würde als irgendwo anders. Wenn er Pech hatte, verlangte Wolfgang noch von ihm, in die Kirche zu gehen.
Olivers Blick streifte wieder Massimo, der immer noch vor ihm stand, an seiner Zigarette zog und ihn prüfend betrachtete.
»Hast du ein Problem? Ich kam hierher, um allein zu sein. Normalerweise leistet mir an diesem spannenden Ort niemand Gesellschaft. Und jetzt brauche ich das schon gar nicht.«
Massimo schüttelte den Kopf: »Ist schon gut. Ich kenn dich von früher.«
»Was?« Für eine Sekunde sah Oliver den Mann aufmerksam an. »Da klickt nichts bei mir.«
»Ist ein Weilchen her.«
»Aha.«
»Ich konnte deine Mutter nicht auftreiben.«
»Wie aufregend.«
»Na ja. Dann geh ich mal.«
Massimo ließ die Zigarette zu Boden fallen und trat sie aus.
Oliver hob kurz den Blick, wandte diesen jedoch rasch wieder ab und lauschte, wie sich die Schritte von ihm entfernten. Der Boden knirschte leise unter Massimos Schuhen.
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Olivers Reisen
Ein Roman von Sigrid Lenz
Weihnachten in der Leseprobe – Leben ist ein Nebenjob
Leseprobe
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| Leben ist ein Nebenjob |
Jetzt durften die Hände schon mal ein bisschen auf Wanderschaft gehen. Aber vorsichtig. Ich war ja so schüchtern. Pro viertel Stunde drei bis vier Zentimeter. Nur nichts falsch machen.
Was stand noch in der ›Bravo‹? Wo waren die erogenen Zonen? Ah ja, hinter den Ohren, am Hals. Die weiche Haut zwischen den Schenkeln. Scheiße – Strumpfhosen! Wie kam man da an die Schenkel? Mit den Fingern auf den Strumpfhosen war’s auch schon aufregend genug. Je höher, desto heißer.
Mittlerweile war eine Ewigkeit vergangen. Endlich das obere Ende der Strumpfhose. Scheißstrammes Gummi. Mit dem Slip zusammen Gummi in zweifacher Ausführung. Das war schwierig zu handhaben. Aber wenn man schon mal hier ist.
Langsam arbeitete sich meine Hand ins Paradies vor. Zentimeter für Zentimeter, mit langsam absterbendem Blutkreislauf krabbelte die Hand in Richtung Bermuda Dreieck. Das Handgelenk war schon fast taub.
Der Zehnerwechsler für die Singles machte noch brav seine Arbeit. »I ’m A Loser, I ’m A Loser. And I’m not what I appear to be …«
Wie sollte ich die Innenhaut der Schenkel zart streicheln, wenn die Hand von dieser elenden, strammen Kunstfaser platt gedrückt wird? Außerdem war die ganze Körperhaltung auf die Dauer ein totaler Krampf. Aber was tut man nicht alles für das Paradies. Die ganze Angelegenheit lief zudem schweigend ab.
Stilles Genießen oder Unsicherheit? Sei ein Mann und mach weiter. Die Schamhaare waren erreicht. Eine neue Attraktion unter den Fingern. Weibliche Schamhaare. Ganz schön hart, diese Haare. Jetzt aber weiter. Wie war das noch, Klitoris? Vielleicht sogar der Kitzler. Hihi. Leichtes Kreisen. Die Hand stirbt ab. Aber ich glaube, ihr gefällt’s. Findet sie mich jetzt gut, habe ich meine Hausaufgaben gemacht.
Oswald Kolle: ›Das Wunder der Liebe‹. Soll ich den Finger reinstecken? Natürlich, wie sollst du denn sonst wissen, wie das ist. Dschungelfieber, weich, warm und feucht. Kosmisch. Tatsächlich, Oswald hatte nicht zu viel versprochen. Ich war am Ziel und es war aufregend. Seltsam allerdings, dass ich mich nicht an ihre Berührung erinnere?
So verbrachten wir viele schöne Nachmittage als Pioniere in unerforschten Gebieten. Aufregend war’s.
Mittlerweile hatte ich das Kellerzimmer von Wolf übernommen, weil der zu Tante Annemarie gezogen war. Warum? Keine Ahnung. Querelen mit dem Alten, diese familiäre Enge, ich weiß es nicht. Ich war jedenfalls glücklich. Konnte ich doch nun meine Pettingspiele in der eigenen Hütte veranstalten. Das gab natürlich Heimvorteil.
Ich war stolz auf die Tapeten. Mein Bruder Rolf nannte es »Moderne Kunst«. Verrückte abstrakte Muster.
Zu Weihnachten hatte ich einen Plattenspieler bekommen. Einen Musikus 105V von Telefunken. Ausgelegt für Stereo. Man brauchte bloß noch einen zweiten Verstärker für den anderen Kanal. Das alte Radio mit dem Holzchassis war dafür ideal. Mit einem Adapter für die Bananenstecker musste es klappen.
Die Bands wurden jetzt zahlreicher. The Kinks: ›Sunny Afternoon‹, ›You Really Got Me‹. The Troggs: ›Wild Thing‹. The Small Faces: ›Tin Soldier‹, intensives, absolutes Durchdrehen. Dieses ruhige Piano-Intro und dann treibendes Losheizen, diese Kraft, diese Energie, unglaublich. Überhaupt war alles englisch und »The«. Dann die Beachboys. »Bababa, bababaranne, babaraaanne ...« Amerikanisch und trotzdem gut, dachten wir. Mit ›Good Vibrations‹ spielten sie dann endgültig in der ersten Liga.
Wir veranstalteten des Öfteren private Hitparaden-Nachmittage. Da wurden Songs nach einem ausgeklügelten Beurteilungssystem bewertet. Der Gesang, die Komposition, das Arrangement, wilde Soli, die Message oder, was wir dafür hielten, wurden von uns mit Kennermienen einer strengen Prüfung unterzogen.
›My Generation‹ von The Who gegen ›Bus Stop‹ von The Hollies. Da ist die Fragestellung schon Makulatur. Natürlich überwogen wilde Soli und die Message bei den Who. Es wurde über die restlichen Kriterien noch gestritten, aber es gewannen die Who. Obwohl der mehrstimmige Gesang von den Hollies schon eine Klasse für sich war.
So verlebten wir die Tage im Rausch der Musik, wenn auch ab und zu Oma Prank in den Keller kam und zeterte: »Mog disse Negermusik mol lieser!« Sie war mehr in der Heideröslein-Ecke zuhause.
Oma Prank musste uns wieder »Flötentöne« beibringen, weil meine Mutter jetzt mitarbeitete, um das Haus nicht den »gierigen Hypothekengangstern« preiszugeben.
Mama trug ihre Haut am Fließband der Firma ›Elida Gibbs‹ zu Markte. Hersteller von Seifen, Deodorants und Kosmetikartikeln.
Der Zeitmangel, bedingt durch zwei voll berufstätige Elternteile, brachte Ödnis in den Speiseplan der Familie. Currywurst mit Spaghetti war angesagt. Nur wenn Oma mal kochte, gab es den besten Blumenkohl der Welt, in dessen weißer Soße sich reichlich dicke Spuren von guter Butter befanden. Sie kochte eben wie eine kleine, liebe Oma.
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Leben ist ein Nebenjob
Ein Roman von Uwe Prink
Weihnachten in der Leseprobe – Nur geträumt?
Leseprobe
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| Nur geträumt? |
Ich sollte bei ihm im Auto mitfahren, darum verabredeten wir uns vor seinem Haus. Dort traf ich zum ersten Mal auf seine kleine Tochter, die gerade im Garten spielte. Dem Mädchen war weder ein Lächeln zu entlocken, noch bekam ich auf gestellte Fragen Antworten. Sie maß mich lediglich mit durchdringenden Blicken aus zornigen Augen, die Ähnlichkeit mit jenen eines Erwachsenen hatten.
Philipps Frau lud mich völlig ungezwungen zu einem schnellen Essen in die neue Küche ein. Aber sosehr mir normalerweise Lasagne schmeckte, in diesem Moment konnte ich nicht mehr in meinem Mund fühlen als etwas zwischen den Zähnen, das ich auf schnellstem Wege mit Mineralwasser hinunterzuspülen versuchte. Mir saß ein dicker Kloß im Hals, als ich mitbekam, wie sehr sich seine Frau um ihn bemühte. Ihr Äußeres überraschte mich, die schönen langen Haare, der offene Blick, das freundliche Lachen. Sie war das genaue Gegenteil jener Person, die ich mir während der Gespräche mit Philipp zusammengereimt hatte.
Ich kam mir in jenem Moment total fehl am Platz vor, fühlte mich wie eine Diebin auf frischer Tat ertappt und hatte es eilig, dieser Situation und Philipps Zuhause den Rücken zu kehren.
Ein uraltes Bauernhaus auf einer schneebedeckten Lichtung, gesäumt von dichtem, dunklem Tannenwald, lud bereits aus der Ferne zum Träumen ein.
Nachdem die Kälte aus der Stube vertrieben war durch das Herdfeuer, das wohlige Wärme ausströmte, bezogen wir die Schlafräume. Die Aufteilung der Anwesenden auf die vorhandenen Betten gestaltete sich als gar nicht so einfach, sollten doch freundschaftliche Bande berücksichtigt werden.
Ich erhielt mit meiner Freundin ein Zimmer unter dem Dach mit einem großen Doppelbett. Weitere Frauen bezogen im ersten Stock Quartier. Im Erdgeschoss hinter der alten, urigen Stube fanden die Männer eine Schlafstätte, teilten sich zu dritt ein Ehebett und einer erkämpfte sich ein Einzelbett.
Die Männer kochten, die Frauen deckten den Tisch und erledigten den Abwasch.
Das Essen war ein Gedicht. Dafür ernteten die Männer reichlich Lob und Bewunderung. Wein, Bier und auch alkoholfreie Getränke flossen im Übermaß. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen.
Ich schaltete ab und ging vollkommen in der positiven Atmosphäre auf.
Viele Themen wurden angeschnitten und scheinbar endlose Diskussionen ausgetragen. Kaffee und mitgebrachte, selbst gebackene Köstlichkeiten versüßten den anbrechenden Abend, Spiele und Glühwein taten das Übrige.
Ich tankte geistige Energie, indem ich mich jenen Menschen zuwandte, die mir, jeder für sich als einzigartiges Wesen aus Lebenserfahrung und Lebensfreude, Kraft schenkten.
Dennoch gingen mir die Gespräche mit Philipp am tiefsten. Vielleicht befanden wir uns gerade auf einer ähnlichen emotionalen Ebene.
Bei Musik mit zu Herzen gehenden Texten, sogenannten Zeitgeistliedern, gestattete ich mir für Momente Bilder, die allein Philipp und mich beinhalten. Ich wurde zum ruhenden, hinnehmenden Ufer, er zum streichelnden, wogenden Meer.
Einmal verschlingen wir uns zu einem großen Ganzen, werden von höheren Mächten auseinandergerissen, um anschließend nur noch viel aufgewühlter und stürmischer miteinander zu verschmelzen.
Es fiel mir nicht leicht, mich von den Phantasien loszureißen. Meine Augen durften nicht zu lange auf ihm ruhen. Seinen Blicken wich ich aus, so gut es ging. Wir waren schließlich verheiratet, hatten beide Kinder und eheliche Verpflichtungen. Als warnendes Signal rief ich mir immer wieder das Bild seiner Familie ins Gedächtnis, um ja nicht vom Pfad der Tugend abzukommen. Waren wir gar auf der Hütte schon reif, einander zum Opfer zu fallen?
Der Himmel hatte sein Sternenzelt ausgebreitet, als eine kleine Gruppe zum Rodeln aufbrach. Bereits nach wenigen Schritten fanden wir beide uns nebeneinander herwandernd, den Hügel erklimmend, wieder. Leider war der Schnee zu nass, so konnten wir nicht auf den mitgebrachten Kunststoffsäcken talwärts rutschen. Ein paar Leute gingen ins Haus zurück, die übrigen unternahmen einen Nachtspaziergang.
Die Schneedecke funkelte, der Mond leuchtete uns den Weg. Ich versprach Philipp Auszüge aus dem Konzept des Sozialprojektes, er wollte mir Musik und Literatur nahe bringen, die ihm besonders viel bedeutete.
Als wir zurückkehrten, ging es schon auf Mitternacht zu und einige tanzten noch ausgelassen zur Musik auf den Holztischen vor der Hütte. Wir setzten uns etwas abseits. Im Schutze der Dunkelheit sprach er dann von Gefühlen und Seelenqualen, die seinen Workaholismus betrafen, der angeblich sein familiäres Leben überschattete, im Besonderen aber seine persönliche Entwicklung stagnieren ließ. Ich hörte ihm aufmerksam zu, war zugleich innerlich aufgewühlt, ja regelrecht schockiert.
Im Bett war meine Müdigkeit wie verflogen. Ich lag noch lange Zeit mit offenen Augen neben der schlafenden Freundin. Unter lautem Getöse rutschte eine Dachlawine ab und nach höchstens zwei Stunden Schlaf stand Skifahren am Programm.
Ich hatte wohl meine physischen Kräfte überschätzt. Fast kein Schlaf, starker Kaffee, kein Bissen im Bauch, dazu kam der Höhenunterschied bei der Fahrt mit der Gondel zur Bergstation. Ich erlitt einen Kreislaufkollaps.
Schweißgebadet, mit zittrigen Beinen auf den Skiern ins Tal rutschend, von ein paar Leuten aus unserer Gruppe zur Absicherung im Konvoi begleitet, erreichte ich die Talstation. Nach einem doppelten Schnaps und einer heißen Suppe im Restaurant stabilisierte sich mein Kreislauf allmählich. Inzwischen tobte sich Philipp auf der Piste aus, die weiblichen Skifans forderten ihn heraus.
Den letzten Tag verbrachte jeder mit seinen Vorlieben. Einige lagen vor dem Haus in der Sonne, lasen, hörten Musik oder diskutierten über Liedertexte. Andere wanderten auf den Hausberg. Philipp verbrachte mit ein paar sportlichen Freaks nochmals einen halben Tag auf der Piste. Mit etwas Wehmut im Herzen reinigten wir gemeinsam Stube, Küche und Zimmer.
Gegen Abend, noch ehe der geschmolzene Schnee zu vereisen begann, brachen wir in einer Kolonne die Heimreise an.
Bereits am frühen Morgen hatte mich Pauls Anruf beunruhigt. Angeblich war unsere Tochter wieder einmal nicht nach Hause gekommen. Ich fuhr mit gemischten Gefühlen heimwärts, ahnte, dass der Anruf lediglich ein Vorbote zu einer längeren Auseinandersetzung gewesen war.
Philipp versuchte, mich abzulenken. Er versprach mir beizustehen, falls es größere Schwierigkeiten geben sollte. Seine Frau habe schließlich schon mit schwierigen Jugendlichen gearbeitet, sie würde bestimmt auch mein Kind bei sich aufnehmen, und er wäre der Letzte, der etwas dagegen hätte.
Diese Aussichten machten mich zuversichtlicher und beruhigten mich während der langen Heimfahrt. Trotz aufheiternder Gespräche, die uns die Fahrt verkürzten, war ich angespannt. Schließlich stand unser ersehntes Fortgehen als krönender Abschluss des Skiwochenendes auf dem Spiel.
Unter dem Vorwand, gemeinsam nach der Tochter zu suchen, holte mich eine Freundin von Zuhause ab. Tanja war inzwischen zwar kurz da gewesen, jedoch gleich wieder verschwunden, als sie gemerkt hatte, dass ich noch abwesend war.
Nachdem wir sämtliche Innenstadtlokale vergebens nach ihr abgesucht hatten, gaben wir die Suche auf. Nicht der geringste Hinweis kam, wo Tanja stecken könnte, denn ihr neuer Freundeskreis hielt dicht.
Inzwischen wartete der harte Kern unserer Gruppe in einer Diskothek auf uns.
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Nur geträumt?
Ein Roman von Christine Lackner
















