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Montag, 20. Dezember 2010

Weihnachten in der Leseprobe – Wurzeln der Hoffnung

Wurzeln der Hoffnung von Miluna Tuani
Leseprobe
Wurzeln der Hoffnung
Doch nun galt es wieder einmal, den Fluss zu durchqueren. Sie tastete sich Schritt für Schritt voran durch das schlammig braune, reißende Wasser. Sie wusste, dass sie nicht hinfallen durfte. Dann würde ihr Weihnachtsmenü in den Fluten davonschwimmen.
Das Wasser schoss und wirbelte dahin und die Riemen des voll beladenen Rucksackes schnürten sie auf den Schultern ein. Sie war mehr als froh, als sie das andere Ufer endlich erreicht hatte. Bis zum Bauchnabel durchnässt aber ohne Verluste kletterte sie auf allen Vieren an der Uferböschung hoch. Sie rappelte sich auf und lief über den steinigen Weg zwischen den beiden Flussarmen.
Der zweite Flussarm war nur ein Rinnsal. Er führte nur dann nennenswert viel Wasser, wenn es mehrere Tage lang viel geregnet hatte.
Das Schlimmste des Weges hatte sie überwunden. Nun brauchte sie nur noch den steil ansteigenden aber verhältnismäßig gut begehbaren Weg bis zum Haus hoch zu laufen. Aber sie spürte schon Ermüdungserscheinungen. Der Rücken schmerzte unter dem Gewicht des Rucksacks und die Kleidung klebte kalt und feucht an ihrer Haut.
Erleichtert atmete sie aus, als sie das erste Tor erreicht hatte, dessen Pylone sie selbst aus den Steinen, die überall herumlagen, errichtet hatte. Nachdem sie es passiert hatte, kam schon das zweite Tor in Sicht, auch ein Produkt eines Anfalls von überflüssiger Energie, den sie ab und zu hatte.
Dahinter schaute das Häuschen hervor. Es war immer noch dicht bewachsen mit Efeuranken, die nun in voller Blüte standen. Alicia liebte den süßen, fruchtigen und betörenden Duft, der von ihnen ausging und ebenso den Duft der Blüten der alten Mimosenbäume. Sie schloss die Augen und atmete diese Wohlgerüche zufrieden ein.
Was für ein zauberhafter Ort das hier doch ist. Selbst im Dunkeln und mit geschlossenen Augen finde ich hierher zurück. Welch berauschender, süßer Duft. – Ich werde mich informieren, wie man Parfum herstellt, und ein Parfum aus diesen Wohlgerüchen kreieren. Ich bin sicher, das würde sich gut absetzen.
Alicia wurde in ihren Gedankengängen unterbrochen, als Shakira und ihre sieben Kinder, die inzwischen schon um einiges größer waren als ihre Mutter, freudig bellend angelaufen kamen. Sie begrüßten ihr Frauchen wie immer etwas zu stürmisch.
Alissaya, die rotbraune, sanfte Stute, die Lucrezia ihr zum Reiten und zum Transportieren von Sachen zur Verfügung gestellt hatte, kam ebenfalls auf sie zu. Die rotfellige Pferdedame hatte jedoch seit der Flutkatastrophe Angst vor dem lauten Fluss. Sie weigerte sich, ihn zu überqueren. So musste Alicia ihr Gepäck alleine schleppen.
Alicia streckte ihr die Hand entgegen und schrie die Hunde an: »Zitti, zitti [Kinder, Kinder], nicht anspringen, bitte! Sonst falle ich mit dem schweren Zeug wie eine Schildkröte auf den Rücken und komme nicht mehr hoch. Und wer hilft mir dann – keiner. Nein, so möchte ich nicht enden, und schon gar nicht zu Weihnachten.«
Sie schwankte die letzten Schritte bis zur hohen Steintreppe. Dann kniete sie sich erschöpft nieder und befreite sich von ihrer schweren Last. Die schmalen Riemen des Rucksacks hatten tiefe Einschnitte auf ihren Schultern hinterlassen, die sie sich nun massierte.
Andromeda und Xandulian, Lanni und Savi, die Lieblingskatzen, kamen angesprungen und die Hunde rannten ihnen hinterher.
»Zitti, jagt mir die Katzen nicht!«, rief sie energisch. Denn ihre laute, energische Stimme war das Einzige, worauf diese Hundekinder reagierten. Die Mischlinge aus Jagdhund und Belgischem Schäferhund verhielten sich abwechselnd wie schwer erziehbare Jagdhunde und wachsame Schäferhunde. Aber Alicia liebte die Hunde alle. Deshalb hatte sie es auch noch nicht übers Herz gebracht, einen Einzigen von ihnen abzugeben.
Andromeda und Xandu, die Stammeltern der Katzenzucht, sprangen auf Alicias Schulter. Sie stand nun auf, um die Tür aufzuschließen. Dabei rief sie den Hunden zu: »Ihr bleibt noch draußen! Ich muss erst alles vorbereiten. Dann gibt es Bescherung.«

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Wurzeln der Hoffnung
Ein Roman von Miluna Tuani



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Weihnachten in der Leseprobe – Olivers Reisen

Olivers Reisen von Sigrid Lenz
Leseprobe
Olivers Reisen
Oliver schlenderte an Babettes Café vorbei und bemühte sich, einen möglich desinteressierten Eindruck zu hinterlassen. Lediglich aus den Augenwinkeln kontrollierte er, ob Susi zu sehen war. Als seine Suche keinen Erfolg zeigte, straffte er die Schultern und steuerte aus dem Städtchen heraus. Nicht, dass es schwierig war, den Ort zu verlassen. Egal, in welche Richtung er sich aufmachte, es dauerte nicht lange und er stand im freien Feld, im Wald oder unwegsamen Gelände. Die Gegend war so uninteressant wie ein Ballen Stroh.
Doch einen Ort gab es, an den Oliver sich hin und wieder gerne zurückzog. Sogar als die Temperaturen zu unwirtlich für längere Aufenthalte im Freien geworden waren.
Er setzte sich dort auf einen liegenden Baumstamm und zog seine Jacke fester um sich. Dann langte er nach einer Zigarette und zündete sie an.
Die Wolke gefrorenen Atems vermischte sich mit dem sich kräuselnden Rauch. Lange hielt er es in diesem Kaff nicht mehr aus – soviel war sicher.
Als er wider Erwarten Gesellschaft bekam, erstarrte er. Auf dem Weg tauchte eine Gestalt auf, die ihm vage bekannt vorkam. War es nicht der Mann, den er in der Nähe von Wolfgangs Haus gesehen hatte?
Oliver nahm einen Zug, hob sein Kinn, inhalierte, und stieß den Qualm dann herausfordernd aus.
Unter halb geschlossenen Lidern fixierte er den Fremden, der mit Entschiedenheit in seine Richtung steuerte. Er besaß ausreichend Erfahrung mit schamlosen Freiern, die dachten, sie könnten sich an jeden Jungen heranmachen, egal welchen Alters. Nur war ihm dieser Typ Mann in der Kleinstadt bislang nicht begegnet. Andererseits sah der Fremde ganz so aus, als befände er sich auf der Durchreise.
Oliver musterte ihn. Nicht dass er große Lust auf eine Auseinandersetzung verspürte, aber in seiner momentanen Stimmung hatte er auch nicht vor, einer solchen aus dem Weg zu gehen.
Der Mann blieb vor ihm stehen.
Sollte er sich ruhig trauen, noch näher zu kommen, dann würde er ihm schon zeigen, wo es lang ging. Doch der andere kam nicht näher.
Er blieb stehen und fischte seinerseits eine Packung Zigaretten aus der Tasche. »Bist du nicht zu jung zum Rauchen?«, gestikulierte er mit einer Zigarette in der Hand.
Oliver schüttelte den Kopf.
Der andere schwieg, und starrte ihn weiterhin an.
»So einer bin ich nicht«, knurrte Oliver schließlich abweisend.
»Was für einer?«, fragte der andere entgeistert.
»Na – so einer.« Oliver ließ seinen Blick auffallend langsam in Richtung von Massimos Unterleib gleiten.
»He! Fiele mir im Traum nicht ein.«
»Dann ist ja gut.«
Oliver wandte seinen Blick ab. Er betrachte das klägliche Rinnsal vor seinen Füßen. Nur wenig kälter und der Bach wäre gefroren. In wenigen Wochen war Oliver gezwungen, mit Wolfgang Weihnachten zu feiern. Er rollte mit den Augen. Im Winter abzuhauen schien zwar reichlich dämlich und sein einziger Versuch, Agnes per Telefon aufzuspüren, hatte zu nichts geführt. Dennoch fürchtete er, dass ihm der Feiertagskram in dieser Stadt noch mehr auf die Nerven gehen würde als irgendwo anders. Wenn er Pech hatte, verlangte Wolfgang noch von ihm, in die Kirche zu gehen.
Olivers Blick streifte wieder Massimo, der immer noch vor ihm stand, an seiner Zigarette zog und ihn prüfend betrachtete.
»Hast du ein Problem? Ich kam hierher, um allein zu sein. Normalerweise leistet mir an diesem spannenden Ort niemand Gesellschaft. Und jetzt brauche ich das schon gar nicht.«
Massimo schüttelte den Kopf: »Ist schon gut. Ich kenn dich von früher.«
»Was?« Für eine Sekunde sah Oliver den Mann aufmerksam an. »Da klickt nichts bei mir.«
»Ist ein Weilchen her.«
»Aha.«
»Ich konnte deine Mutter nicht auftreiben.«
»Wie aufregend.«
»Na ja. Dann geh ich mal.«
Massimo ließ die Zigarette zu Boden fallen und trat sie aus.
Oliver hob kurz den Blick, wandte diesen jedoch rasch wieder ab und lauschte, wie sich die Schritte von ihm entfernten. Der Boden knirschte leise unter Massimos Schuhen.

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Olivers Reisen
Ein Roman von Sigrid Lenz



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Weihnachten in der Leseprobe – Leben ist ein Nebenjob

Leben ist ein Nebenjob von Uwe Prink
Leseprobe
Leben ist ein Nebenjob
Ich war mit Judith zusammen. Judith war ein zartes, schlankes Mädchen mit jungenhaft schmalen Hüften und birnenförmigen, auffallenden Mopsbürschchen. Ihr Minirock war nicht mehr als ein breiter Gürtel. Alles sehr überzeugend. Rollos runter. Vorhänge zu. Draußen regnete es sowieso. Wie meistens. Das machte die Szenerie noch ein bisschen schummriger. Einer der Vorteile Norddeutschlands.
Jetzt durften die Hände schon mal ein bisschen auf Wanderschaft gehen. Aber vorsichtig. Ich war ja so schüchtern. Pro viertel Stunde drei bis vier Zentimeter. Nur nichts falsch machen.
Was stand noch in der ›Bravo‹? Wo waren die erogenen Zonen? Ah ja, hinter den Ohren, am Hals. Die weiche Haut zwischen den Schenkeln. Scheiße – Strumpfhosen! Wie kam man da an die Schenkel? Mit den Fingern auf den Strumpfhosen war’s auch schon aufregend genug. Je höher, desto heißer.
Mittlerweile war eine Ewigkeit vergangen. Endlich das obere Ende der Strumpfhose. Scheißstrammes Gummi. Mit dem Slip zusammen Gummi in zweifacher Ausführung. Das war schwierig zu handhaben. Aber wenn man schon mal hier ist.
Langsam arbeitete sich meine Hand ins Paradies vor. Zentimeter für Zentimeter, mit langsam absterbendem Blutkreislauf krabbelte die Hand in Richtung Bermuda Dreieck. Das Handgelenk war schon fast taub.
Der Zehnerwechsler für die Singles machte noch brav seine Arbeit. »I ’m A Loser, I ’m A Loser. And I’m not what I appear to be …«
Wie sollte ich die Innenhaut der Schenkel zart streicheln, wenn die Hand von dieser elenden, strammen Kunstfaser platt gedrückt wird? Außerdem war die ganze Körperhaltung auf die Dauer ein totaler Krampf. Aber was tut man nicht alles für das Paradies. Die ganze Angelegenheit lief zudem schweigend ab.
Stilles Genießen oder Unsicherheit? Sei ein Mann und mach weiter. Die Schamhaare waren erreicht. Eine neue Attraktion unter den Fingern. Weibliche Schamhaare. Ganz schön hart, diese Haare. Jetzt aber weiter. Wie war das noch, Klitoris? Vielleicht sogar der Kitzler. Hihi. Leichtes Kreisen. Die Hand stirbt ab. Aber ich glaube, ihr gefällt’s. Findet sie mich jetzt gut, habe ich meine Hausaufgaben gemacht.
Oswald Kolle: ›Das Wunder der Liebe‹. Soll ich den Finger reinstecken? Natürlich, wie sollst du denn sonst wissen, wie das ist. Dschungelfieber, weich, warm und feucht. Kosmisch. Tatsächlich, Oswald hatte nicht zu viel versprochen. Ich war am Ziel und es war aufregend. Seltsam allerdings, dass ich mich nicht an ihre Berührung erinnere?
So verbrachten wir viele schöne Nachmittage als Pioniere in unerforschten Gebieten. Aufregend war’s.
Mittlerweile hatte ich das Kellerzimmer von Wolf übernommen, weil der zu Tante Annemarie gezogen war. Warum? Keine Ahnung. Querelen mit dem Alten, diese familiäre Enge, ich weiß es nicht. Ich war jedenfalls glücklich. Konnte ich doch nun meine Pettingspiele in der eigenen Hütte veranstalten. Das gab natürlich Heimvorteil.
Ich war stolz auf die Tapeten. Mein Bruder Rolf nannte es »Moderne Kunst«. Verrückte abstrakte Muster.
Zu Weihnachten hatte ich einen Plattenspieler bekommen. Einen Musikus 105V von Telefunken. Ausgelegt für Stereo. Man brauchte bloß noch einen zweiten Verstärker für den anderen Kanal. Das alte Radio mit dem Holzchassis war dafür ideal. Mit einem Adapter für die Bananenstecker musste es klappen.
Die Bands wurden jetzt zahlreicher. The Kinks: ›Sunny Afternoon‹, ›You Really Got Me‹. The Troggs: ›Wild Thing‹. The Small Faces: ›Tin Soldier‹, intensives, absolutes Durchdrehen. Dieses ruhige Piano-Intro und dann treibendes Losheizen, diese Kraft, diese Energie, unglaublich. Überhaupt war alles englisch und »The«. Dann die Beachboys. »Bababa, bababaranne, babaraaanne ...« Amerikanisch und trotzdem gut, dachten wir. Mit ›Good Vibrations‹ spielten sie dann endgültig in der ersten Liga.
Wir veranstalteten des Öfteren private Hitparaden-Nachmittage. Da wurden Songs nach einem ausgeklügelten Beurteilungssystem bewertet. Der Gesang, die Komposition, das Arrangement, wilde Soli, die Message oder, was wir dafür hielten, wurden von uns mit Kennermienen einer strengen Prüfung unterzogen.
›My Generation‹ von The Who gegen ›Bus Stop‹ von The Hollies. Da ist die Fragestellung schon Makulatur. Natürlich überwogen wilde Soli und die Message bei den Who. Es wurde über die restlichen Kriterien noch gestritten, aber es gewannen die Who. Obwohl der mehrstimmige Gesang von den Hollies schon eine Klasse für sich war.
So verlebten wir die Tage im Rausch der Musik, wenn auch ab und zu Oma Prank in den Keller kam und zeterte: »Mog disse Negermusik mol lieser!« Sie war mehr in der Heideröslein-Ecke zuhause.
Oma Prank musste uns wieder »Flötentöne« beibringen, weil meine Mutter jetzt mitarbeitete, um das Haus nicht den »gierigen Hypothekengangstern« preiszugeben.
Mama trug ihre Haut am Fließband der Firma ›Elida Gibbs‹ zu Markte. Hersteller von Seifen, Deodorants und Kosmetikartikeln.
Der Zeitmangel, bedingt durch zwei voll berufstätige Elternteile, brachte Ödnis in den Speiseplan der Familie. Currywurst mit Spaghetti war angesagt. Nur wenn Oma mal kochte, gab es den besten Blumenkohl der Welt, in dessen weißer Soße sich reichlich dicke Spuren von guter Butter befanden. Sie kochte eben wie eine kleine, liebe Oma.

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Ein Roman von Uwe Prink



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Weihnachten in der Leseprobe – Nur geträumt?

Nur geträumt? Abschied von der großen Liebe von Christine Lackner
Leseprobe
Nur geträumt? 
Als wir mit einer größeren Gruppe von Absolventen des Kurses zu dem lange zuvor geplanten Skiwochenende aufbrachen, war ich aufgeregt wie als Kind zu Weihnachten, wenn die Anspannung und die Neugier auf den Lichterbaum und die Geschenke kaum noch zu ertragen waren.
Ich sollte bei ihm im Auto mitfahren, darum verabredeten wir uns vor seinem Haus. Dort traf ich zum ersten Mal auf seine kleine Tochter, die gerade im Garten spielte. Dem Mädchen war weder ein Lächeln zu entlocken, noch bekam ich auf gestellte Fragen Antworten. Sie maß mich lediglich mit durchdringenden Blicken aus zornigen Augen, die Ähnlichkeit mit jenen eines Erwachsenen hatten.
Philipps Frau lud mich völlig ungezwungen zu einem schnellen Essen in die neue Küche ein. Aber sosehr mir normalerweise Lasagne schmeckte, in diesem Moment konnte ich nicht mehr in meinem Mund fühlen als etwas zwischen den Zähnen, das ich auf schnellstem Wege mit Mineralwasser hinunterzuspülen versuchte. Mir saß ein dicker Kloß im Hals, als ich mitbekam, wie sehr sich seine Frau um ihn bemühte. Ihr Äußeres überraschte mich, die schönen langen Haare, der offene Blick, das freundliche Lachen. Sie war das genaue Gegenteil jener Person, die ich mir während der Gespräche mit Philipp zusammengereimt hatte.
Ich kam mir in jenem Moment total fehl am Platz vor, fühlte mich wie eine Diebin auf frischer Tat ertappt und hatte es eilig, dieser Situation und Philipps Zuhause den Rücken zu kehren.

Ein uraltes Bauernhaus auf einer schneebedeckten Lichtung, gesäumt von dichtem, dunklem Tannenwald, lud bereits aus der Ferne zum Träumen ein.
Nachdem die Kälte aus der Stube vertrieben war durch das Herdfeuer, das wohlige Wärme ausströmte, bezogen wir die Schlafräume. Die Aufteilung der Anwesenden auf die vorhandenen Betten gestaltete sich als gar nicht so einfach, sollten doch freundschaftliche Bande berücksichtigt werden.
Ich erhielt mit meiner Freundin ein Zimmer unter dem Dach mit einem großen Doppelbett. Weitere Frauen bezogen im ersten Stock Quartier. Im Erdgeschoss hinter der alten, urigen Stube fanden die Männer eine Schlafstätte, teilten sich zu dritt ein Ehebett und einer erkämpfte sich ein Einzelbett.
Die Männer kochten, die Frauen deckten den Tisch und erledigten den Abwasch.
Das Essen war ein Gedicht. Dafür ernteten die Männer reichlich Lob und Bewunderung. Wein, Bier und auch alkoholfreie Getränke flossen im Übermaß. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen.
Ich schaltete ab und ging vollkommen in der positiven Atmosphäre auf.
Viele Themen wurden angeschnitten und scheinbar endlose Diskussionen ausgetragen. Kaffee und mitgebrachte, selbst gebackene Köstlichkeiten versüßten den anbrechenden Abend, Spiele und Glühwein taten das Übrige.
Ich tankte geistige Energie, indem ich mich jenen Menschen zuwandte, die mir, jeder für sich als einzigartiges Wesen aus Lebenserfahrung und Lebensfreude, Kraft schenkten.
Dennoch gingen mir die Gespräche mit Philipp am tiefsten. Vielleicht befanden wir uns gerade auf einer ähnlichen emotionalen Ebene.
Bei Musik mit zu Herzen gehenden Texten, sogenannten Zeitgeistliedern, gestattete ich mir für Momente Bilder, die allein Philipp und mich beinhalten. Ich wurde zum ruhenden, hinnehmenden Ufer, er zum streichelnden, wogenden Meer.
Einmal verschlingen wir uns zu einem großen Ganzen, werden von höheren Mächten auseinandergerissen, um anschließend nur noch viel aufgewühlter und stürmischer miteinander zu verschmelzen.
Es fiel mir nicht leicht, mich von den Phantasien loszureißen. Meine Augen durften nicht zu lange auf ihm ruhen. Seinen Blicken wich ich aus, so gut es ging. Wir waren schließlich verheiratet, hatten beide Kinder und eheliche Verpflichtungen. Als warnendes Signal rief ich mir immer wieder das Bild seiner Familie ins Gedächtnis, um ja nicht vom Pfad der Tugend abzukommen. Waren wir gar auf der Hütte schon reif, einander zum Opfer zu fallen?
Der Himmel hatte sein Sternenzelt ausgebreitet, als eine kleine Gruppe zum Rodeln aufbrach. Bereits nach wenigen Schritten fanden wir beide uns nebeneinander herwandernd, den Hügel erklimmend, wieder. Leider war der Schnee zu nass, so konnten wir nicht auf den mitgebrachten Kunststoffsäcken talwärts rutschen. Ein paar Leute gingen ins Haus zurück, die übrigen unternahmen einen Nachtspaziergang.
Die Schneedecke funkelte, der Mond leuchtete uns den Weg. Ich versprach Philipp Auszüge aus dem Konzept des Sozialprojektes, er wollte mir Musik und Literatur nahe bringen, die ihm besonders viel bedeutete.
Als wir zurückkehrten, ging es schon auf Mitternacht zu und einige tanzten noch ausgelassen zur Musik auf den Holztischen vor der Hütte. Wir setzten uns etwas abseits. Im Schutze der Dunkelheit sprach er dann von Gefühlen und Seelenqualen, die seinen Workaholismus betrafen, der angeblich sein familiäres Leben überschattete, im Besonderen aber seine persönliche Entwicklung stagnieren ließ. Ich hörte ihm aufmerksam zu, war zugleich innerlich aufgewühlt, ja regelrecht schockiert.
Im Bett war meine Müdigkeit wie verflogen. Ich lag noch lange Zeit mit offenen Augen neben der schlafenden Freundin. Unter lautem Getöse rutschte eine Dachlawine ab und nach höchstens zwei Stunden Schlaf stand Skifahren am Programm.
Ich hatte wohl meine physischen Kräfte überschätzt. Fast kein Schlaf, starker Kaffee, kein Bissen im Bauch, dazu kam der Höhenunterschied bei der Fahrt mit der Gondel zur Bergstation. Ich erlitt einen Kreislaufkollaps.
Schweißgebadet, mit zittrigen Beinen auf den Skiern ins Tal rutschend, von ein paar Leuten aus unserer Gruppe zur Absicherung im Konvoi begleitet, erreichte ich die Talstation. Nach einem doppelten Schnaps und einer heißen Suppe im Restaurant stabilisierte sich mein Kreislauf allmählich. Inzwischen tobte sich Philipp auf der Piste aus, die weiblichen Skifans forderten ihn heraus.
Den letzten Tag verbrachte jeder mit seinen Vorlieben. Einige lagen vor dem Haus in der Sonne, lasen, hörten Musik oder diskutierten über Liedertexte. Andere wanderten auf den Hausberg. Philipp verbrachte mit ein paar sportlichen Freaks nochmals einen halben Tag auf der Piste. Mit etwas Wehmut im Herzen reinigten wir gemeinsam Stube, Küche und Zimmer.
Gegen Abend, noch ehe der geschmolzene Schnee zu vereisen begann, brachen wir in einer Kolonne die Heimreise an.
Bereits am frühen Morgen hatte mich Pauls Anruf beunruhigt. Angeblich war unsere Tochter wieder einmal nicht nach Hause gekommen. Ich fuhr mit gemischten Gefühlen heimwärts, ahnte, dass der Anruf lediglich ein Vorbote zu einer längeren Auseinandersetzung gewesen war.
Philipp versuchte, mich abzulenken. Er versprach mir beizustehen, falls es größere Schwierigkeiten geben sollte. Seine Frau habe schließlich schon mit schwierigen Jugendlichen gearbeitet, sie würde bestimmt auch mein Kind bei sich aufnehmen, und er wäre der Letzte, der etwas dagegen hätte.
Diese Aussichten machten mich zuversichtlicher und beruhigten mich während der langen Heimfahrt. Trotz aufheiternder Gespräche, die uns die Fahrt verkürzten, war ich angespannt. Schließlich stand unser ersehntes Fortgehen als krönender Abschluss des Skiwochenendes auf dem Spiel.
Unter dem Vorwand, gemeinsam nach der Tochter zu suchen, holte mich eine Freundin von Zuhause ab. Tanja war inzwischen zwar kurz da gewesen, jedoch gleich wieder verschwunden, als sie gemerkt hatte, dass ich noch abwesend war.
Nachdem wir sämtliche Innenstadtlokale vergebens nach ihr abgesucht hatten, gaben wir die Suche auf. Nicht der geringste Hinweis kam, wo Tanja stecken könnte, denn ihr neuer Freundeskreis hielt dicht.
Inzwischen wartete der harte Kern unserer Gruppe in einer Diskothek auf uns.

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Nur geträumt?
Ein Roman von Christine Lackner



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Dienstag, 17. November 2009

Lesen auf den E-Readern

Einige Vorteile der E-Books und der dazugehörigen E-Reader sind:

Papier wird gespart. Es ist ein für die Augen angenehmes Lesen auf den neuen E-Readern. Die Buchstaben lassen sich vergrößern und man kann im Text suchen. Ein E-Reader speichert mehr Bücher, als man innerhalb einiger Jahre vertilgen kann. Die gesamte Bibliothek liegt handlich, klein und leicht vor.

Für Vielleser lohnt sich der Einstieg in die digitale Lesewelt: Ein E-Reader kann den Hunger nach neuem Lesefutter mühelos befriedigen. Er ist das ideale Weihnachtsgeschenk für Leseratten.

E-Reader von Sony haben bei vielen Tests sehr gut abgeschnitten und sind daher zu empfehlen.