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Donnerstag, 24. Februar 2011

Über Olivers Reisen

Eine Leserin schrieb: Olivers Reisen sind nach einem behutsamen Auftakt so spannend, dass man sie - von kurzen Unterbrechungen abgesehen - ohne Halt bis zum Ende durchlesen und miterleben will. Immer neue Entwicklungen im Leben des Jugendlichen Oliver fesseln das Interesse und man erlebt ein ständiges Auf und Ab. Als empathisch Lesende(r), wünscht man sich, bald zu erfahren, ob und wie sich die Verwicklungen auflösen werden. Dabei bleibt lange offen, wohin Olivers Reisen führen. Eines sei gesagt: Sie enden nicht im Nichts. Oliver kommt an. Und zwar ganz woanders, als man es anfangs vermutet hatte. Der Titel "Olivers Reisen" von Sigrid Lenz handelt nicht vom ewig hoffnungsfrohen Reisen, sondern vielmehr davon, dass Ankommen nach langen Reisen dem Leben einen völlig neuen Sinn gibt. Und vielleicht gehen die Reisen des jungen Oliver eines Tages unter anderen Vorzeichen weiter ... - so wie im ähnlich klingenden Titel "Gullivers Reisen". Zu wünschen bleibt jedenfalls, dass Sigrid Lenz weiterhin viele Leser mit ihren Geschichten aufs Beste unterhält und sie ähnlich bekannt wird wie Siegfried Lenz, ihr Namensvetter.

Diese Formate gibt es:


Olivers Reisen
Ein Roman von Sigrid Lenz



XinXii, verschiedene Formate

iBookstore


Montag, 20. Dezember 2010

Weihnachten in der Leseprobe – Olivers Reisen

Olivers Reisen von Sigrid Lenz
Leseprobe
Olivers Reisen
Oliver schlenderte an Babettes Café vorbei und bemühte sich, einen möglich desinteressierten Eindruck zu hinterlassen. Lediglich aus den Augenwinkeln kontrollierte er, ob Susi zu sehen war. Als seine Suche keinen Erfolg zeigte, straffte er die Schultern und steuerte aus dem Städtchen heraus. Nicht, dass es schwierig war, den Ort zu verlassen. Egal, in welche Richtung er sich aufmachte, es dauerte nicht lange und er stand im freien Feld, im Wald oder unwegsamen Gelände. Die Gegend war so uninteressant wie ein Ballen Stroh.
Doch einen Ort gab es, an den Oliver sich hin und wieder gerne zurückzog. Sogar als die Temperaturen zu unwirtlich für längere Aufenthalte im Freien geworden waren.
Er setzte sich dort auf einen liegenden Baumstamm und zog seine Jacke fester um sich. Dann langte er nach einer Zigarette und zündete sie an.
Die Wolke gefrorenen Atems vermischte sich mit dem sich kräuselnden Rauch. Lange hielt er es in diesem Kaff nicht mehr aus – soviel war sicher.
Als er wider Erwarten Gesellschaft bekam, erstarrte er. Auf dem Weg tauchte eine Gestalt auf, die ihm vage bekannt vorkam. War es nicht der Mann, den er in der Nähe von Wolfgangs Haus gesehen hatte?
Oliver nahm einen Zug, hob sein Kinn, inhalierte, und stieß den Qualm dann herausfordernd aus.
Unter halb geschlossenen Lidern fixierte er den Fremden, der mit Entschiedenheit in seine Richtung steuerte. Er besaß ausreichend Erfahrung mit schamlosen Freiern, die dachten, sie könnten sich an jeden Jungen heranmachen, egal welchen Alters. Nur war ihm dieser Typ Mann in der Kleinstadt bislang nicht begegnet. Andererseits sah der Fremde ganz so aus, als befände er sich auf der Durchreise.
Oliver musterte ihn. Nicht dass er große Lust auf eine Auseinandersetzung verspürte, aber in seiner momentanen Stimmung hatte er auch nicht vor, einer solchen aus dem Weg zu gehen.
Der Mann blieb vor ihm stehen.
Sollte er sich ruhig trauen, noch näher zu kommen, dann würde er ihm schon zeigen, wo es lang ging. Doch der andere kam nicht näher.
Er blieb stehen und fischte seinerseits eine Packung Zigaretten aus der Tasche. »Bist du nicht zu jung zum Rauchen?«, gestikulierte er mit einer Zigarette in der Hand.
Oliver schüttelte den Kopf.
Der andere schwieg, und starrte ihn weiterhin an.
»So einer bin ich nicht«, knurrte Oliver schließlich abweisend.
»Was für einer?«, fragte der andere entgeistert.
»Na – so einer.« Oliver ließ seinen Blick auffallend langsam in Richtung von Massimos Unterleib gleiten.
»He! Fiele mir im Traum nicht ein.«
»Dann ist ja gut.«
Oliver wandte seinen Blick ab. Er betrachte das klägliche Rinnsal vor seinen Füßen. Nur wenig kälter und der Bach wäre gefroren. In wenigen Wochen war Oliver gezwungen, mit Wolfgang Weihnachten zu feiern. Er rollte mit den Augen. Im Winter abzuhauen schien zwar reichlich dämlich und sein einziger Versuch, Agnes per Telefon aufzuspüren, hatte zu nichts geführt. Dennoch fürchtete er, dass ihm der Feiertagskram in dieser Stadt noch mehr auf die Nerven gehen würde als irgendwo anders. Wenn er Pech hatte, verlangte Wolfgang noch von ihm, in die Kirche zu gehen.
Olivers Blick streifte wieder Massimo, der immer noch vor ihm stand, an seiner Zigarette zog und ihn prüfend betrachtete.
»Hast du ein Problem? Ich kam hierher, um allein zu sein. Normalerweise leistet mir an diesem spannenden Ort niemand Gesellschaft. Und jetzt brauche ich das schon gar nicht.«
Massimo schüttelte den Kopf: »Ist schon gut. Ich kenn dich von früher.«
»Was?« Für eine Sekunde sah Oliver den Mann aufmerksam an. »Da klickt nichts bei mir.«
»Ist ein Weilchen her.«
»Aha.«
»Ich konnte deine Mutter nicht auftreiben.«
»Wie aufregend.«
»Na ja. Dann geh ich mal.«
Massimo ließ die Zigarette zu Boden fallen und trat sie aus.
Oliver hob kurz den Blick, wandte diesen jedoch rasch wieder ab und lauschte, wie sich die Schritte von ihm entfernten. Der Boden knirschte leise unter Massimos Schuhen.

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Olivers Reisen
Ein Roman von Sigrid Lenz



XinXii, verschiedene Formate

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Montag, 30. August 2010

Olivers Reisen, Roman von Sigrid Lenz


Im September wird der spannende Roman ›Olivers Reisen‹ von Sigrid Lenz als E-Book im Sirius Verlag erscheinen.

›Olivers Reisen‹ erzählt von einem Jungen, der eines Tages von seiner Mutter abgeschoben wird. Er reist in eine Kleinstadt zu seinem Onkel und findet sich nur schwer zurecht in dem neuen Umfeld. Bald verliebt er sich in ein Mädchen, das jedoch einen sehr eifersüchtigen Freund hat. Der plötzliche Tod seiner Mutter ist Anlass für polizeiliche Nachforschungen zu Olivers Herkunft, die Rätsel aufgibt. Der Junge verlässt verstört die Kleinstadt. Er lebt auf der Straße, doch sein Onkel holt ihn wieder zurück. Als Oliver nach einer Schlägerei erneut verschwindet, trifft er auf einen Ermittler, dessen Hauptinteresse der Jugendszene gilt. Kann das Rätsel um Olivers Herkunft gelöst werden?


Autoreninterview mit Sigrid Lenz am 26. Juli

Haben Sie aus einem besonderen Anlass zu schreiben begonnen?

Es gab immer Filme und TV-Serien, die ich nicht so stehen lassen konnte, wie sie serviert wurden. In meinen Träumen und Fantasien konnte ich nie aufhören, darüber nachzudenken und alternative Enden zu erfinden oder in vollkommen andere Richtungen abzuweichen. Als ich erkannte, dass die Erweiterung dieser vorgegebenen Geschichten ein verbreitetes Hobby ist, konnte ich nicht anders, als Handlungsstränge, die ich zuvor für mich allein entwickelt hatte, online weiterzuspinnen.

Was ist Schreiben für Sie?

Schreiben ist eine perfekte und funktionierende Therapie.

Planen Sie vor dem Schreiben oder entwickelt sich die Handlung beim Schreiben?

Das ist verschieden und richtet sich nach der Länge und Art der Geschichte. Ich muss allerdings zugeben, dass sich ein Großteil der Vorgänge und der Charaktere erst während des Schreibens entwickelt.

Waren Plot und Figuren bei ›Olivers Reisen‹ von Anfang an da oder ist etwas oder jemand neu dazu gekommen beim Schreiben?

›Olivers Reisen‹ ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine Geschichte während des Schreibens in eine andere Richtung entwickelt hat, als ursprünglich geplant. Meiner groben Skizze nach nähmen der Bruder des Protagonisten und ihre Beziehung zueinander einen weitaus größeren Raum ein. Doch im Laufe des Schreibens erschien mir der ursprüngliche Plan als nicht mehr durchführbar und vor allem zu weit entfernt von dem Rahmen, der bislang entstanden war. Aus diesem Grund sind auch einige neue Figuren dazugekommen, während andere gestrichen wurden.

Wie ist es, nach all den Mühen ein Buch veröffentlicht zu bekommen?

Das ist eine absolut wundervolle Erfahrung.

An welchem Text arbeiten Sie derzeit?

Ich überarbeite gerade den Zweiteiler ›Spuren‹. Zusätzlich stecke ich in der Mitte zu einem großen Projekt und am Anfang einer vollkommen anderen Geschichte. Das Überarbeiten ist meine große Schwäche. Aus diesem Grund stapeln sich auch noch zwei weitere fertige Texte bei mir, an die ich mich einfach nicht heranwage. Und noch dazu denke ich langfristig über eine Fortsetzung zum ›Galgenmännchen‹ nach.

Herzlichen Dank für das Interview!


Homepage der Autorin Sigrid Lenz